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"Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen,
als ohne das heilige Messopfer."   - hl. Pater Pio

DIE HEILIGE MESSE - 1. TEIL - WORTGOTTESDIENST - ABLAUF UND BEDEUTUNG

Die Autorin dieses Textes ist Maria Montessori, eine katholische Pädagogin aus Italien. Maria Montessori war religiöse Erziehung im Sinne einer hinführenden Erziehung sehr wichtig. Die heilige Messe beinhaltete für sie den Kern des Christentums, weswegen sie sehr dafür war, dass Kinder zur heiligen Messe innerlich und äußerlich Zugang bekamen.

Die Pädagogik von Maria Montessori wurde im Nationalsozialismus verboten.

In diesem Text erklärt die katholische Pädagogin Maria Montessori Kindern das Geschehen der Heiligen Messe der römisch-katholischen Kirche, der Kirche Jesu Christi. 
Der Abdruck dieses Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Herder Verlages. Quelle: Kapitel "Drittes Buch: Die Messe, Kindern erklärt" aus
Maria Montessori, Kinder, die in der Kirche leben. Die religionspädagogischen Schriften von Maria Montessori. Hrsg. und übersetzt von Helene Helming copyright Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. 1964

IV. DIE MESSE DER KATECHUMENEN

Wenn der Priester beginnt, die Messe zu feiern, so steht er aufrecht am Fuße der drei Stufen und wendet sein Antlitz zum Altar. Derjenige, der ihm dient, steht auf der linken Seite des Priesters, beide machen nun zusammen mit allen, die in der Kirche sind und an der Messe teilnehmen wollen, das Kreuzzeichen.
 
DAS KREUZZEICHEN — erinnern wir uns daran, was das Kreuzzeichen am Beginn des Christentums bedeutete. Es war die Gebärde, durch die ein Christ sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Es war das Zeichen, das von den Angehörigen einer verfolgten Gesellschaft gebraucht wurde, zu einer Zeit, als die Zugehörigkeit zur Kirche oft mit grausamem Tod von den regierenden Mächten bestraft wurde. Als Erkennungswort sprach es jeder heimlich aus, als Bekenntnis des Glaubens an den dreieinigen Gott:
 
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
 
Man macht mit der rechten Hand ein Zeichen in der Form des Kreuzes von oben nach unten und von links nach rechts. Es wurde das heilige Zeichen des Christentums; es weist hin auf das Opfer Christi.
 
Seit 2000 Jahren haben die Christen dieses Zeichen des Sieges wiederholt, und wenn wir uns selbst damit ganz bezeichnen, so fühlen wir seine heilige Würde.
 
Mit diesem Zeichen beginnt also die heilige Messe. Und diese große Gebärde vereinigt alle an den Stufen des Altars, den Priester und den entferntesten der gegenwärtigen Gläubigen.
 
„Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.“

Die Messe beginnt und setzt sich fort als Huldigungsakt und Opfer an die Allerheiligste Dreifaltigkeit.

DAS VERSCHLOSSENE TOR — wenn der Priester das Kreuzzeichen gemacht hat, beginnt er zu sprechen, und Messdiener oder alle Gläubigen antworten ihm. Sie sprechen den Psalm 42.

Man glaubt, der Priester würde die Stufen des Altars hinaufsteigen, weil er wiederholt sagt:

„Zum Altare Gottes will ich treten.“

Aber er ändert seine Stellung noch nicht.

In dem Psalm drückt der Priester seinen Entschluss aus, sich dem Altare Gottes zu nähern. Er ist traurig, aber er weiß, dass alle Freude vom Herrn kommt. Er fühlt sich verfolgt, und er bittet Gott um Gerechtigkeit.

„Führe meine Sache“, so betet er, „gegen ein unheiliges Volk, und errette mich vor frevelhaften falschen Menschen!“

Aber seine Traurigkeit schwindet noch nicht. Daher spricht er zu Gott:

„Sende mir dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deinem heiligen Berg... Dann will ich dich mit Harfenspiel lobpreisen, Gott, mein Gott.“

Aber seine Seele ist noch nicht getröstet.

„Warum bist du noch traurig meine Seele und quälst mich mit Kummer?“

Der stolze Mensch, der sich über seine Mitmenschen erhöht fühlt, kann die Stufen nicht emporsteigen, und seine Anrufungen vor Gott und sein Versprechen der Lobpreisung bleiben wirkungslos. Nur ein Mensch, der bereut, kann sich Gott nahen, ein demütiger Mensch, der sich niederwirft und in Reue spricht:

„Ich bekenne, ein Sünder zu sein, erbarme dich meiner.“

DIE REUE — der Priester wechselt seine Haltung. Er stand vorher aufrecht, aber jetzt beugt er sich tief mit seinem Gesicht zur Erde, er schlägt an seine Brust mit seiner geschlossenen rechten Hand. Er wendet sich zu dem Knaben, der das Volk vertritt, und er spricht laut und nicht im geheimen:

„Ich bekenne vor euch allen, dass ich ein Sünder bin, durch meine Schuld, durch meine große Schuld, und ich bitte alle, mir zu helfen und den barmherzigen, allmächtigen Gott anzurufen. Ich bekenne vor Gott, vor der seligen Jungfrau Maria, vor den Engeln, vor den Heiligen und vor allen Menschen.“

 
Dann neigen der Knabe und alle Anwesenden auch ihre Häupter, und auch sie bekennen sich schuldig; und der Priester wendet sich zum Volk wie zu seinen Brüdern, und alle Leute wenden sich ihm zu wie zu ihrem Vater. Und sie bitten einander gegenseitig, füreinander zu beten, und sie rufen die göttliche Barmherzigkeit um Verzeihung an.
 
DER AUFSTIEG — jetzt endlich geht der Priester zum Altar und er steigt die drei Stufen hinauf.
 
DIE BEGEGNUNG MIT DEN HEILIGEN — er begegnet den heiligen RELIQUIEN. Bewegt durch Verehrung und Liebe, beugt sich der Priester nieder und küsst die Stelle des Altars über den Reliquien.
 
„Durch die Verdienste deiner Heiligen, deren Reliquien hier ruhen, Gott, verzeihe mir meine Sünden.“
 
Die Schildwache Gottes gibt nun dem reuigen Menschen den Weg frei. Er steht endlich am Altar, sein Verlangen ist erfüllt:
 
„Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf.“
 
DAS OFFENE BUCH — der Priester tritt an die rechte Seite des Altars und liest aus dem aufgeschlagenen Messbuch zuerst den INTROITUS. Er ist ein Eingangsgebet aus mehreren Psalmversen, die wechseln, je nach dem Tage, an dem die Messe gefeiert wird.
 
Der Priester hat als reuiger Mensch um Verzeihung und Hilfe gebetet. Jetzt aber, da sein Wunsch, an den Altar zu treten, erfüllt ist, spricht er aus dem Drang seines Herzens laut ein dreifaches Gebet, einen neunfachen feierlichen Ruf an Christus. Jedes Mal, wenn er ruft, antwortet ihm das Volk.

DAS KYRIE„Herr erbarme dich unser — Christus erbarme dich unser — Herr erbarme dich unser!“
 
DAS LIED DER FREUDE — der Priester faltet nun die Hände und geht zurück zur Mitte des Altares. Er ist von Freude erfüllt, „der Freude der Jugend“, die ihn schon am Fuße des Altars erfüllt hat. Er ist glücklich in Gott, wie die Hirten, die in der Heiligen Nacht um den Stall von Bethlehem ein großes Licht sahen und die den Gesang der Engel (DAS GLORIA) hörten, welche die Geburt des Erlösers verkündigten.
 
Derselbe Gesang erhebt sich aus seinem Herzen:
 
„Ehre sei Gott in der Höhe
Und auf Erden Friede den Menschen,
die guten Willens sind.
Wir loben dich,
Wir preisen dich,
Wir beten dich an,
Wir verherrlichen dich.“

 
Das ganze Volk vereinigt sich mit dem Priester in diesem Lobpreis.

DIE LESUNG — jetzt schweigt der Priester. Er wird eine Lesung beginnen zur Unterweisung der Gläubigen; diese ist begleitet von Gebeten und Psalmversen, die zur Messe des Tages gehören. Bevor er beginnt, wendet er sich zu den Gläubigen und grüßt sie, er steht dabei in der Mitte des Altars, dem er einen Augenblick den Rücken zuwendet, und er spricht: „Der Herr sei mit euch!“
Die Gläubigen antworten ihm: „Und mit deinem Geiste.“

Dann wendet sich der Priester zum heiligen Buch und sucht nun im Messbuch die kurzen besonderen Gebete, die an diesem Tage zu beten sind.

Wir sollen alle aufmerksam hören, was uns gelehrt wird.

Wie ein Lehrer, der seine Schüler zur Aufmerksamkeit aufruft, bevor er eine schwere und kostbare Unterweisung gibt, so tut auch der Priester. Er ladet zunächst alle Versammelten ein, mit aufmerksamem Herzen sich ihm zuzuwenden, während er in den Kollekten Gott die Gebete aller Anwesenden darbietet.

Die Lesung, die nun folgt, heißt DIE EPISTEL, weil sie gewöhnlich ein Teil der Briefe (Episteln) ist, welche die ersten Apostel des Herrn, besonders der hl. Paulus und der hl. Petrus geschrieben haben. Sie gaben den Christen, die fern waren und in ihrem Glauben unterstützt werden mussten, Unterweisung und Rat, unterrichteten sie in der christlichen Tugend und regten sie an, Gutes zu tun; denn in jenen Zeiten der großen Opfer war viel Treue nötig. Die Christen lebten damals oft als Einzelne und in kleinen Gemeinden verstreut und wurden grausam verfolgt.

Unter dem Namen Epistel werden auch manchmal Teile aus der Apostelgeschichte gelesen, d. h. aus der Geschichte der heldenhaften und wunderbaren Taten, die von den ersten Jüngern Christi nach seinem Tod vollbracht wurden.

Unter demselben Titel werden oft auch Abschnitte aus dem Alten Testament gelesen, die sich auf die Weissagungen beziehen, die unseren Herrn Jesus Christus, den langerwarteten Messias, ankündigten. Es wurde schon genau von ihm gesprochen durch die Propheten Israels, Jahrhunderte vor seiner Menschwerdung.

So werden uns also die heiligen Schriften vorgelesen, ein wenig jeden Tag während des ganzen Jahres. Es ist, als ob die Lehrerin, die zugleich unsere liebe Mutter ist, uns kurze interessante Lehren gäbe, immer verschieden, um uns zu helfen, in die heiligen Dinge einzudringen. Diese liebende Mutter und diese weise Lehrerin ist die Kirche, die auf diese Weise die Lehren an ihre Kinder verteilt, während des ganzen liturgischen Jahres.

DAS GRADUALE — wenn der Priester die Lesung der Epistel beendet hat, so liest er das Graduale. In alten Zeiten war dies ein Lied aus den Psalmen, auf das die Gläubigen mit Freude antworteten: „Alleluja“, d. h., „der Herr sei gepriesen“. Das Wort Graduale ist aus dem Lateinischen genommen und heißt Stufengebet und wurde, wie man sagt, so genannt, weil die ersten Christen, von Glauben erfüllt, an die Stufen des Altars kamen, um es zu singen.

DAS EVANGELIUM — jetzt kommen wir zu einem feierlichen Augenblick.

Wir nähern uns dem Worte Gottes, wir werden in einigen Augenblicken die Lehre Christi empfangen.

Die religiöse Erwartung unseres Herzens sollte groß sein. Es entsteht eine Bewegung, wenn wir das göttliche Wort hören sollen. Es kommt der letzte Teil der Messe der Katechumenen. Wir stellen uns vor, wie sie sprechen: „Wir sind gekommen, um den Worten des göttlichen Meisters zu lauschen, lasset uns aufrecht stehen, um zu hören.“

Das Buch, das auf der rechten Seite des Altars war, wird zur linken getragen, um zu zeigen, dass die Stimme der Menschen verschieden ist von der Stimme Gottes.

Der Priester fühlt sich der Aufgabe, die Worte Gottes zu vermitteln, unwürdig. Er möchte würdig sein, er möchte geläutert werden. So bleibt er in der Mitte des Altars stehen, beugt sein Haupt und wendet sich an Gott mit dem sehr glühenden und schönen Gebet: „Munda cor meum… Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger Gott, der du mit glühenden Kohlen die Lippen des Isaias gereinigt hast…“

Dann geht er zur Linken des Altars. Er steht nun vor dem Buch, in diesem schlägt er die Stelle auf, wo das Evangelium für den Tag steht. Der Priester grüßt nun das Volk und fordert es zur Aufmerksam-keit auf; alle stehen schon und sind erfüllt von der Feierlichkeit des Augenblicks.

„Der Herr sei mit euch“
, sagt der Priester. — „Und mit deinem Geiste“, antworten sie.

Dann beginnt er zu lesen: „Es folgt das Evangelium…“ Er macht das Kreuzzeichen auf das Buch und dann ein kleines Kreuz auf seine Stirn, auf seine Lippen und auf seine Brust, um seine Gedanken, seine Worte und seine Handlungen zu heiligen, bevor er das Evangelium des Tages liest. Die Leute machen diese drei kleinen Kreuze wie der Priester und sagen: „Ehre sei dir, o Herr.“ Nun beginnt der Priester seine Lesung.

Wenn er zu Ende gelesen hat, so antworten die Gläubigen: „Lob sei dir, Christus“, während der Priester das Buch voll Ehrfurcht küsst und dabei sagt: „Durch diese Worte des Evangeliums mögen unsere Sünden getilgt werden.“

DAS CREDO — was sollen wir tun, nachdem Christus uns belehrt hat?

Wir sollen unseren Glauben mit lauter Stimme bekennen. Der Priester geht zur Mitte des Altars und beginnt das Glaubensbekenntnis zu sprechen, und alle Anwesenden beten es stehend mit. Nur bei dem Satz: „Er hat Fleisch angenommen…“ beugen der Priester und das Volk das rechte Knie und bleiben knien bis zu den Worten: „und ist Mensch geworden“. Dann stehen sie wieder bis zum Ende des Credo.

Das Amen am Schluss meint nicht wie gewöhnlich: „So sei es“, sondern es ist die Bestätigung der Wahrheit: „So ist es.“ Dann verkündigt der Priester mit einem „Der Herr sei mit euch“, dass die Messe der Katechumenen beendet ist.

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