Ritus Messe

Die Heilige Messe
- Riten und Formen -

"Was früheren Generationen heilig war,
bleibt auch uns heilig und groß...
Es tut uns allen gut, die Reichtümer zu wahren,
die im Glauben und Beten der Kirche
gewachsen sind und ihnen ihren rechten
Ort zu geben.
"   - Papst Benedikt XVI.

"Jede Teilkirche muß mit der Gesamtkirche nicht nur hinsichtlich der Glaubenslehre und der sakramentalen Zeichen übereinstimmen, sondern auch hinsichtlich der universal von der apostolischen und ununterbrochenen Überlieferung empfangenen Gebräuche, die einzuhalten sind, nicht nur um Irrtümer zu vermeiden, sondern auch damit der Glaube unversehrt weitergegeben wird; denn das Gesetz des Betens (lex orandi) der Kirche entspricht ihrem Gesetz des Glaubens (lex credendi)." - Papst Benedikt XVI.

Es gibt verschiedene Riten und Formen innerhalb der katholischen Kirche. Diese lassen sich in folgende Riten aufteilen:
  • Römischer Ritus (römisch-katholische Kirche)
  • Ambrosianischer Ritus (römisch-katholische Kirche in der Provinz Mailand)
  • Alexandrinischer Ritus (koptisch- und äthiopisch-katholische Kirche)
  • Westsyrischer Ritus (syrisch-katholische, syrisch-maronitische und syro-malankarische Kirche)
  • Ostsyrischer Ritus (chaldäisch-katholische und syro-malabarische Kirche)
  • Byzantinischer Ritus (z.B. russisch-katholische Kirche unter vielen anderen)
  • Armenischer Ritus (armenisch-katholische Kirche)
Wir beschäftigen uns im Weiterein ausschließlich mit dem römischen Ritus. Innerhalb der römischen Ritusfamilie gibt es auch Ordensriten, die sich durch wenige Eigenheiten unterscheiden. Als Beispiel sei der dominikanische Ritus oder der Karthäuserritus genannt.

In der römisch-katholischen Welt außerhalb der Orden unterscheidet sich der römische Ritus der heiligen Messe in zwei Formen:
  • die tridentinische Messe (andere Terminologien: die Messe aller Zeiten, lateinische Messe, gregorianische Messe, alte Messe, die Messe der Tradition, der usus antiquior oder die sog. außerordentliche Form). Herzstück des überlieferten römischen Ritus ist der "Römische Messkanon", von dem Papst Innocenz I. (402-417) berichtet, dass er vom Apostelfürsten Petrus selber überliefert worden war und der seiner Struktur nach auf die jüdische Feier des Charburah-Mahls zurückgeht. Über 1000 Jahre später, zwischen 1545 und 1563 beim Konzil von Trient, ist diese damals schon uralte Liturgie bestätigt und ein für das gesamte Abendland einheitliches Messbuch, dass "Missale Romanum" herausgegeben worden, weshalb der überlieferte römische Ritus auch als "Missa Tridentina" oder "tridentinische Messe" bezeichnet wird. Dies ist aber auch ein wenig irreführend, da er schon 1545 "uralt" war.
  • der Novus Ordo (andere Terminologien: deutsche Messe, neue Messe oder die sog. ordentliche Form). Diese Messform wurde in den Jahren 1969/70 nach dem 2. Vatikanischen Konzil neu geschaffen und erhielt maßgeblichen Einfluss in seiner Ausgestaltung durch sechs protestantische Pastoren, die Papst Paul VI. hierbei beraten haben.
Folgende Ausführungen beziehen sich auf die tridentinische Messe.

"Die lateinische Liturgie hat der Kirche mit ihren verschiedenen Formen in allen Jahrhunderten der christlichen Zeit sehr viele Heilige im geistlichen Leben angespornt und so viele Völker in der Tugend der Gottesverehrung gestärkt und deren Frömmigkeit befruchtet."
- Papst Benedikt XVI.

10 Gründe die traditionelle lateinische Messe zu besuchen

Quelle: http://www.onepeterfive.com/ten-reasons-to-attend-the-traditional-latin-mass/
Hier übersetzt aus dem englischen Original .

Da es für eine Person oder eine Familie oft unbequem sein kann die traditionelle lateinische Messe zu besuchen (und ich denke hierbei nicht nur an die offensichtlichen Probleme wie Ort und Zeit, sondern auch an den Mangel an Gemeinden und an mögliche feindselige Reaktionen von Freunden, Familie und sogar Geistlichen), ist es auf jeden Fall lohnenswert uns daran zu erinnern, warum wir dies überhaupt tun. Wenn eine Sache es wert ist zu tun, dann lohnt es sich darin beharrlich zu sein – auch wenn dies mit Opfer verbunden ist.

Dieser Artikel wird eine Reihe von Gründen darlegen, warum wir und unsere Familien es lieben die traditionelle lateinische Messe zu besuchen – trotz aller Unannehmlichkeiten (und sogar kleinere Verfolgungen) die wir im Laufe der Jahre erlebt haben. Diese Gründe hier zu teilen wird – so hoffen wir – die Leser überall ermutigen den usus antiquior entweder erstmalig zu besuchen oder ihm weiterhin treu zu bleiben sofern sie zweifeln. Es ist unsere feste Überzeugung, dass die uns überlieferte heilige Liturgie im Leben von Katholiken noch noch nie wichtiger war als zu unserer Zeit, in der sehen wie die "auf Erden pilgernde Kirche" kontinuierlich ihre Theologie vergisst, ihre Botschaft verdünnt, ihre Identität verliert, und ihre Mitglieder ausblutet. Durch die Erhaltung, das Kennen, das Folgen, und das Lieben ihrer alten Liturgie, tragen wir unseren Teil dazu bei um die authentische Lehre zu stärken, die himmlische Seligkeit zu verkünden, die volle Form wiederzuerlangen, und neue Gläubige anzulocken, die auf der Suche nach der unverfälschten Wahrheit und offenkundiger Schönheit sind. Durch das Weitergeben dieses gewaltigen Geschenkes und durch die Einladung so vieler Freunde und Familienangehörigen wie wir können zur Teilnahme an der Messe, erfüllen wir unsere Berufung als Nachfolger der Apostel.

Hier folgen nun ohne weitere Umschweife, zehn Gründe:
1. Du wirst auf gleiche Weise geformt wie die meisten der Heiligen geformt wurden.

Wenn wir konservativ schätzen und in Betracht ziehen, dass der römische Messritus von Papst Gregor dem Großen (ca. 600) kodifiziert und bis 1970 intakt geblieben ist, dann sprechen wir über fast 1.400 Jahre des kirchlichen Lebens – und in diese Zeit fällt der größte Anteil der Kirchengeschichte der Heiligen. Die Gebete, Lesungen und Gesänge, die diese Heiligen hörten und über die sie nachdachten, werden dieselben sein, die Sie hören und über die sie nachdenken.

  • Denn dies ist die Messe, die der heilige Gregor der Große geerbt, entfaltet und verfestigt hat.
  • Dies ist die Messe, die der heilige Thomas von Aquin gefeiert hat, über die er so liebevoll schrieb und zu der er beigetragen hat (er verfasste die Proprien für die heilige Messe und die Hymnen und das Stundengebet für Fronleichnam).
  • Dies ist die Messe, die der heilige Ludwig IX, der Kreuzzug-König von Frankreich, drei Mal täglich besuchte.
  • Dies ist die Messe, von der sich der heilige Philipp Neri vor der Zelebration ablenken musste, da sie ihn leicht für Stunden in Ekstase schickte.
  • Dies ist die Messe, die zuerst an den Ufern von Amerika durch spanische und französische Missionare gefeiert wurde – darunter auch die Märtyrer Nordamerikas.
  • Dies ist die Messe, die Priester während den dunklen Zeiten der Verfolgung in in England und Irland heimlich feierten.
  • Dies ist die Messe, für die der selige Miguel Pro sein Leben riskierte, bevor er gefangen genommen und von der mexikanischen Regierung gemartert.
  • Dies ist die Messe, von welcher der selige Kardinal John Henry Newman sagte, er würde sie wenn er könnte jeden wachen Moment seines Lebens feiern.
  • Dies ist die Messe, die Pater Frederick Faber „das Allerschönste diesseits des Himmels“ nannte.
  • Dies ist die Messe, die der heilige Pater Damian von Molokai mit aussätzigen Hände in der Kirche feierte, die er selbst gebaut und bemalt hatte.
  • Dies ist die Messe, während der die heilige Edith Stein – später in den Gaskammern von Auschwitz gestorben – völlig verzückt wurde.
  • Dies ist die Messe, die große Künstler wie Evelyn Waugh, David Jones und Graham Greene so sehr liebten, dass sie ihren Verlust mit Trauer und Alarmierung beklagten.
  • Dies ist die Messe, die weithin so respektiert wurde, dass auch Nicht-Katholiken wie Agatha Christie und Iris Murdoch sie in den 1970er Jahren verteidigten.
  • Dies ist die Messe, auf die der heilige Pater Pio bis zu seinem Tod im Jahr 1968 zu feiern bestand, nachdem die liturgischen Apparatschiks damit begonnen hatten das Messbuch zu beschmutzen – und dies war ein Mann, der ein oder zwei Dinge über die Geheimnisse der Heiligkeit wusste).
  • Dies ist die Messe, für die der heilige Josemaría Escrivá, Gründer des Opus Dei, die Erlaubnis erhielt, sie privat bis zum Ende seines Lebens zu feiern.

Was für eine herrliche Menge an Zeugen die traditionelle lateinische Messe doch umgibt! Deren Heiligkeit wurde wie Gold und Silber im Ofen dieser Messe geschmiedet, und es ist ein unverdienter Segen, dass auch wir diese gleiche Formung auch suchen und erhalten dürfen. Ja, ich kann mit dem Wissen zur neuen Messe gehen, dass ich in der Gegenwart Gottes und seiner Heiligen bin (und hierfür bin ich zutiefst dankbar), aber sowohl wurde eine konkrete historische Verbindung zu diesen Heiligen, als auch mein eigenes Erbe als Katholik im römischen Ritus durchtrennt.
2. Was für mich gilt, gilt umso mehr für meine Kinder.

Diese Art der tiefen Feier formt die Köpfe und Herzen unserer Kinder zur Ehrfurcht vor dem allmächtigen Gott, zu den Tugenden der Demut, des Gehorsams und der anbetenden Stille. Es füllt deren Sinne und Vorstellungen mit heiligen Zeichen und Symbole, „mystische Zeremonien“ (wie das Konzil von Trient sagt).

Maria Montessori hat selbst häufig darauf hingewiesen, dass kleine Kinder sehr empfänglich für Symbolsprache sind – oft mehr als Erwachsene –, und dass sie leichter durch das Beobachten von Personen im Vollzug der feierlichen Liturgie lernen als durch das Hören vieler Wörter mit wenig Handlung. All dies ist unglaublich beeindruckend und packend für Kinder, die ihren Glauben lernen – besonders für Jungs, die Ministranten werden. [1]
3. Ihre Universalität.

Die traditionelle lateinische Messe liefert nicht nur eine sichtbare und ununterbrochene Verbindung von der Gegenwart in die ferne Vergangenheit, sie bildet auch eine inspirierende Bande der Einheit auf der ganzen Welt. Ältere Katholiken erinnern sich oft daran, wie ergreifend es für sie war zum ersten Mal auch bei einer Messe im Ausland zu dienen und festzustellen, dass „die Messe gleich war“, wohin sie auch gingen. Diese Erfahrung war für sie eine Bestätigung der Katholizität der Katholizismus. Im Gegensatz dazu ist fällt es einem heute manchmal schwer, „die gleiche Messe“ in der selben Pfarrei am selben Wochenende zu finden.

Die Universalität der traditionellen lateinischen Messe, mit seinem Dach aus Latein als heilige Sprache und seine Beharrlichkeit, dass der Priester seine eigenen und kulturellen Vorlieben beiseite stellt und stattdessen sich durch die Person Christi überdecken lässt, wirkt wie ein wahres Pfingsten an dem viele Sprachen und Stämme zusammenkommen als eins im Geiste und nicht als neues Babel, dass diverse Identitäten wie ethnische Zugehörigkeit oder Altersgruppen bevorzugt und Gefahr läuft sich dem Grundsatz des Evangeliums „weder Juden noch Griechen“ (Anm.: Galater 3:28) zu verschließen.
4. Du weißt immer was du bekommst. 

Die Messe wird sich auf das heilige Opfer unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz konzentrieren. Es wird respektvolle und betende Stille vor, während und nach der Messe zu finden sein. Es werden nur Männer im Altarraum dienen und nur Priester und Diakone Umgang mit dem Leib Christi haben – in Übereinstimmung mit fast 2.000 jähriger Tradition. Die Menschen werden in der Regel bescheiden gekleidet zur Messe kommen. Musik mag nicht immer vorhanden sein (und wenn, dann nicht immer perfekt ausgeführt), aber Sie werden nie pseudo-Pop-Songs mit narzisstischen oder ketzerischen Texten hören.

Anders ausgedrückt kann die traditionelle Form des römischen Ritus niemals vollständig zweckentfremdet werden. Wie fast jede andere gute Sache in diesem Leben kann auch die lateinische Messe verpfuscht werden, aber sie kann nie in dem Maße missbraucht werden, dass sie nicht mehr auf den wahren Gott zeigt. Chesterton sagte einmal, dass „es gibt nur eine Sache, die nie über einen bestimmten Punkt in ihrem Bündnis mit Unterdrückung gehen kann – und das ist die Orthodoxie. Ich könnte – es ist wahr – die Orthodoxie so drehen um teilweise einen Tyrannen zu rechtfertigen. Aber ich kann ganz einfach eine deutsche Philosophie erfinden, um ihn vollständig zu rechtfertigen.“ [2] Das gleiche gilt für die traditionelle lateinische Messe.

Pater Jonathan Robinson, der zum Zeitpunkt des Schreibens seines Buches kein Freund des usus antiquior war, gab dennoch zu, dass „die mehrjährige Attraktion des alten Ritus ist, dass er eine transzendentale Referenz darbot, und zwar auch dann, wenn er auf verschiedene Weise missbraucht wurde.“ [3] Im Gegensatz dazu beobachtet Robinson, dass während die neue Messe in einer ehrfürchtigen Art und Weise, die uns zum Transzendentalen lenkt, gefeiert werden kann, „es keine Vorgabe zur Feier des Novus Ordo gibt, welche die Zentralität der Feier des Ostergeheimnisses gewährleistet.“ [4]

Mit anderen Worten, die neue Messe kann gültig gefeiert werden, aber in einer Art und Weise, die so eine Betonung auf Gemeinde oder eine gemeinsame Mahlzeit legt, dass es zu einer „virtuellen Verweigerung des katholischen Verständnisses der Messe“ kommen kann. [5]

Auf der anderen Seite ist die Unzerstörbarkeit der inhärenten Bedeutung der traditionellen Messe das, was einen Kommentator dazu inspiriert hat einen Vergleich mit einem alten Spruch der US Navy zu vergleichen: „Es ist eine Maschine, die von Genies so gebaut ist, dass sie sicher durch Idioten betrieben werden kann.“ [6]
5. Sie ist der wahre Jakob. 

Der klassische römische Ritus hat eine offensichtlich theozentrische und Christozentrische Orientierung – die sowohl in der ad orientem Haltung des Priesters als auch in den reichen Texten des klassischen römischen Missale selbst zu finden ist –, die eine große Betonung auf das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit, der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und das Opfer unseres Herrn am Kreuz legt. [7]

Wie Dr. Lauren Pristas gezeigt hat, werden die Gebete des neuen Missale in ihrem Ausdruck des Dogmas und einer asketischen Lehre oft verwässert, während die Gebete des alten Missale eindeutig und kompromisslos katholisch sind. [8] Es ist der wahre Jakob, die reine Schrift, nicht Etwas von „Experten“ für den „modernen Menschen“ zusammengeschustert und an deren Vorlieben angepasst. Immer mehr katholische Pfarrer und Gelehrte bestätigen, wie hektisch und verpfuscht die liturgischen Reformen der 1960er Jahre waren.

Dies hat uns eine verwirrend chaotische Situation beschert, für welche die reformierte Liturgie selbst unglaublich schlecht gerüstet ist eine Lösung zu bieten – mit ihrer Fülle von Optionen, ihrer minimalistischen Rubriken, ihre Anfälligkeit für manipulative „Vorsteher“, und ihre manifestierte Diskontinuität mit mindestens vierzehn Jahrhunderten römisch-katholischer Verehrung. Diese Diskontinuität tritt eindrucksvoll zu Tage in der Frage der Sprache, da die alte Messe in der heiligen Muttersprache der westlichen Kirche – das Latein – flüstert und singt, während die neue Messe sich misslich mit den sich ständig ändernden Mundarten der Welt vermischt.
6. Einen erhabeneren Kalender der Heiligen.

In liturgischen Diskussionen wird die meiste Munition auf die Verteidigung oder den Angriff gegenüber Änderungen an den gleichbleibenden Teilen der heiligen Messe (dem Ordo Missae) verschossen – und verständlicherweise so. Aber eine der wichtigsten Unterschiede zwischen den Missalen aus den Jahren 1962 und 1970 ist der Kalender.

Beginnen wir mit dem Proprium de Sanctis, dem Zyklus der Festtage der Heiligen. Der Kalender von 1962 ist eine erstaunliche Grundlage der Kirchengeschichte, vor allem der Geschichte der frühen Kirche, die heute oft übersehen wird. Die göttliche Vorsehung hat es so arrangiert, dass bestimmte Heilige unterschiedliche „Gruppen“ bilden, die jeweils eine bestimmte Facette der Heiligkeit betonen. Die Entwickler des allgemeinen Kalenders von 1969/1970, auf der anderen Seite, haben 200 Heilige beseitigt oder degradiert, einschließlich des heiligen Valentin (Valentinstag) und des Schutzpatron der Reisenden, der heilige Christophorus, der wie sie behaupten, sowieso nie existierte. Sie eliminierten auch die heilige Katharina von Alexandrien aus dem gleichen Grund – obwohl sie einer der Heiligen war, welche heilige Jeanne d'Arc sah, als Gott sie beauftragte, die Engländer zu bekämpfen. [9]

Die Architekten des neuen Kalender trafen ihre Entscheidungen oft auf der Grundlage der modernen Geschichtswissenschaft anstatt auf die mündlichen Überlieferungen der Kirche. Deren wissenschaftliche Kriterien erinnern uns an Chestertons Erwiderung, dass er lieber alte Frauengeschichten vertraue als auf Fakten von alten Jungfern. „Es ist ziemlich einfach zu erkennen, warum eine Legende mit mehr Respekt behandelt wird, und dies auch sollte, als ein Geschichtsbuch“, schreibt Chesterton. „Die Legende stammt in der Regel von der Mehrheit der Menschen im Dorf, die bei Verstand sind. Das Buch wird in der Regel durch den einen Mann im Dorf geschrieben, der verrückt ist.“ [10]
7. Einen erhabeneren Kalender der Festkreise. 

In ähnlicher Weise ist das Proprium de Tempore, die Ordnung der Festkreise im Kalender von 1962 viel reicher. Dank seines jährlichen Zyklus hat jeder Sonntag einen eigenen Geschmack, dessen jährliche Wiederkehr eine Markierung oder ein Maßstab erzeugt, anhand dessen die Gläubigen ihren spirituellen Fortschritt oder Rückschritt im Laufe ihres Lebens messen können.

Der traditionelle Kalender hat alte Bräuche wie Quatember und Bitttage, die nicht nur unsere Dankbarkeit gegenüber Gott, sondern auch unsere Wertschätzung der Güte der natürlichen Jahreszeiten und der landwirtschaftlichen Zyklen erhöhen.

Der traditionelle Kalender hat nicht so etwas wie eine „Zeit im Jahreskreis [Tempus per annum / engl: ordinary time]“ (ein sehr unglücklicher Ausdruck, wenn man sieht, dass es nicht so etwas wie eine „normale“ Zeit nach der Menschwerdung geben kann [11]), aber stattdessen eine Zeit nach Erscheinung (Dreikönigsfest) und eine Zeit nach Pfingsten, wodurch die Bedeutung dieser großen Feste sich wie ein langes Nachglühen oder Echo erstreckt.

Im Einklang mit Weihnachten und Ostern wird Pfingsten, ein Fest von nicht minderem Status, für volle 8 Tage gefeiert, damit die Kirche sich in der Wärme und dem Licht des himmlischen Feuers sonnen kann.

Und der traditionelle Kalender hat die Vor-Fastenzeit von Septuagesima oder „Karneval“, die drei Wochen vor Aschermittwoch beginnt und geschickt hilft im psychologischen Übergang von der Freude der Weihnachtszeit zur Trauer der Fastenzeit.

Wie die meisten anderen Funktionen des usus antiquior sind die oben genannten Aspekte des Kalenders sehr alt und verbinden uns auf lebhafte Weise mit der Kirche des ersten Jahrtausends und sogar den ersten Jahrhunderten.
8. Einen besseren Zugang zur Bibel. 

Viele denken, dass der Novus Ordo einen natürlichen Vorteil gegenüber der alten Messe hat, weil er ein Drei-Jahres-Zyklus der Sonntagslesungen und ein Zwei-Jahres-Zyklus der Wochentagslesungen sowie längere und zahlreichere Lesungen während der Messe – dies anstelle des alten Ein-Jahres-Zyklus, mit in der Regel zwei Lesungen pro Messe (Epistel und Evangelium).

Was sie übersehen, ist die Tatsache, dass die Architekten des Novus Ordo gleichzeitig die meisten der biblischen Hinweise rausnahmen, welche die fundamentale Struktur der gleichbleibenden Teile der Messe bilden, und diese durch eine Vielzahl von Lesungen mit wenig Rücksicht auf ihre Kongruenz untereinander ersetzten.

Wenn es um die biblischen Lesungen geht, so baut der alte Ritus auf zwei bewundernswerte Prinzipien:
  • erstens, dass Abschnitte nicht um ihrer selbst willen ausgewählt werden (um so viel von der Heiligen Schrift wie möglich unterzubringen), sondern um die Bedeutung des jeweiligen Festes zu beleuchten;
  • zweitens, dass der Schwerpunkt nicht auf eine bloße Verbesserung von biblischen Kenntnissen oder auf didaktische Anweisung liegt, sondern auf „Mystagogie“.
Mit anderen Worten, die Lesungen während der Messe sind nicht dazu gedacht, eine glorifizierte Sonntagsschule zu sein, sondern eine fortlaufende Einweihung in die Mysterien des Glaubens. Ihre geringere Anzahl, Kürze, liturgische Eignung und Wiederholung im Laufe eines jeden Jahres macht sie ein leistungsfähiges Mittel der geistigen Ausbildung und Vorbereitung auf das eucharistische Opfer.
9. Ehrfurcht für die Hochheilige Eucharistie. 

Die ordentliche Form der Messe kann natürlich mit Ehrfurcht gefeiert werden und so, dass nur geweihte Amtsträger die heilige Kommunion austeilen. Aber seien wir ehrlich: die große Mehrheit der katholischen Gemeinden setzen Laien als „außergewöhnliche“ Spender der heiligen Kommunion ein, und die große Mehrheit der Gläubigen empfängt die heilige Kommunion in der Hand. Diese beiden Regelungen allein stellen eine erhebliche Verletzung der Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten dar. Im Gegensatz zu dem Priester, waschen Laien-Kommunionspender ihre Hände oder Finger nicht nach dem Umgang mit Gott, wodurch sich Partikel der wirklichen Gegenwart ansammeln und zerstreuen. Das gleiche gilt für die Gläubigen, die Kommunion in der Hand empfangen; schon eine kurze Berührung der Hostie mit der Handfläche kann winzige Partikel des geweihten Opfers hinterlassen [12]

Denken Sie mal darüber nach: jeden Tag finden Tausende und Abertausende dieser unbeabsichtigten Handlungen der Entweihung des Allerheiligsten in der ganzen Welt statt. Wie geduldig ist doch das eucharistische Herz unseres Herrn! Aber wollen wir wirklich zu dieser Schändung beitragen? Und selbst wenn wir selbst in einer Novus Ordo Messe die Kommunion auf der Zunge empfangen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir dennoch von diesen sorglosen Gewohnheiten umgeben sind – eine Umgebung, die uns entweder mit Empörung und Trauer füllt oder zu einer sesshaften Gleichgültigkeit führt. Diese Reaktionen sind weder hilfreich um den Frieden der Realpräsenz Christi zu erleben, noch sind sie ein optimaler Weg die eigenen Kinder im Glauben zu erziehen!

Ähnliche Punkte könnten über das störende „Zeichen des Friedens“ gemacht werden [13]; oder weiblichen Lektoren und Laien-Kommunionspender, die, abgesehen vom völligen Bruch mit der Tradition, in Kleidung von fragwürdiger Bescheidenheit auftreten können; oder die nahezu universelle Praxis von lautem Gerede vor und nach der Messe; oder das Improvisieren und die Optionalisierung des Priesters.

Diese und so viele weitere Eigenschaften des Novus Ordo wie sie nur allzu oft gefeiert werden, sind alle, einzeln sowie gemeinsam, Anzeichen für einen Mangel an Glauben an die Realpräsenz und Anzeichen einer anthropozentrischen , horizontalen Selbstbeweihräucherung der Gemeinde.

Dieser Punkt sollte betont werden: es ist besonders schädlich für Kinder, den schockierenden Mangel an Ehrfurcht, mit dem unser Herr und Gott im genialen Sakrament seiner Liebe behandelt wird, wieder und wieder zu erleben, wenn eine Kirchenbank von Katholiken nach der anderen automatisch nach vorne gehen um ein Geschenk zu erhalten, das sie in der Regel mit beiläufiger und sogar gelangweilte Gleichgültigkeit behandeln.

Wir glauben daran, dass die Eucharistie wirklich unser Erretter, unser König, unser Richter ist – aber dann prompt in einer Weise agieren, die sagt, dass wir mit einem normalen (wenn auch symbolischem) Lebensmittel umgehen. Dies erklärt, warum so viele Katholiken einen protestantischen Blick auf das Geschehen der heiligen Messe zu haben scheinen.

Diese bedauernswerte Situation wird nicht enden bis die pre-Vatican II Normen hinsichtlich der heiligen Hostie für alle liturgischen Amtsträger verpflichtend gemacht werden – was wahrscheinlich nicht in nächster Zukunft passieren wird. Der sichere Hafen der Zuflucht ist wieder einmal die traditionelle lateinische Messe, wo Vernunft und Heiligkeit überwiegen.
10. Letzten Endes ist es das Geheimnis des Glaubens. 

Viele der Gründe um an der traditionellen lateinischen Messe festzuhalten und sie zu unterstützen, können trotz all dem Ärger, den der Teufel erzeugt, in einem Wort zusammengefasst werden: MYSTERIUM. Was der heilige Paulus musterion nennt und was die lateinische liturgische Tradition durch den Namen mysterium und sacramentum bezeichnet, ist alles andere als ein marginales Konzept im Christentum. Gottes dramatische Selbstoffenbarung an uns – im Laufe der Geschichte und vor allem in der Person Jesu Christi –, ist ein Geheimnis im höchsten Sinne des Wortes: es ist die Offenbarung einer Realität, die ganz und gar verständlich und stets unausweichlich ist – immer leuchtend und blendend in ihrer Leuchtkraft.

Es ist angebracht, dass die liturgischen Feiern, die uns in Kontakt mit unserem Gott bringen, den Abdruck Seiner ewigen und unendlichen Rätselhaftigkeit, Seiner wunderbaren Transzendenz, Seine überwältigende Heiligkeit, Seine entwaffnende Intimität, Seine sanfte und dennoch durchdringende Stille tragen. Die traditionelle Form des römischen Ritus trägt sicherlich diesen Abdruck. Seine Zeremonien, seine Sprache, seine Ausrichtung ad orientem und seine ätherische Musik sind nicht Feinde der Aufklärung, sondern vollkommen verständlich, während sie gleichzeitig einen Sinn für das Unbekannte herbeiführen, ja sogar für das Ehrfurchtsvolle und Überwältigende. Durch die Förderung des Sinnes für das Heilige, bewahrt die alte Messe das Geheimnis des Glaubens. [14]
In der Summe ist der klassische römische Ritus ein Botschafter der Tradition, ein Helfer für den inwendigen Menschen, ein lebenslanger Lehrer im Glauben, eine Schule der Anbetung, Reue, Danksagung und Bitte, ein absolut zuverlässiger Fels der Stabilität auf den wir getrost unser geistliches Leben bauen können.

Da die Bewegung für die Wiederherstellung der heiligen Liturgie der Kirche wächst und an Dynamik gewinnt, ist jetzt nicht die Zeit für Entmutigung oder Gedanken des Zweifels; es ist eine Zeit für eine fröhliche und heitere Umarmung aller Schätze, die unsere Kirche für uns bereithält, trotz der Kurzsichtigkeit einiger ihrer aktuellen Seelsorger und der Ignoranz (in der Regel nicht ihre eigene Schuld) von vielen Gläubigen. Dies ist eine Erneuerung, die passieren muss, damit die Kirche die kommenden Gefahren überlebt. Wenn nur der Herr sich auf uns verlassen könnte bereit zu sein, den Weg zu führen, den „katholischen und orthodoxen Glauben“ hoch zu halten! Wenn nur wir auf Seine Gnaden reagieren würden, während Er uns zurück zum immensen Reichtum der Tradition führt, das Er, in seiner liebenden Güte, der Kirche, seiner Braut, gab!

Es ist nicht die Zeit um aufzugeben oder müde zu werden, sondern die Ärmel hochzukrempeln  und unsere Hand an den Pflug zu legen. Warum sollten wir uns selbst Licht und Friede und Freude dessen rauben, was schöner, transzendenter, heiliger, heiligmachender und offensichtlich katholischer ist? Unzähliger Segen erwartet uns, wenn wir, mitten in einer beispiellosen Identitätskrise der Kirche von heute, unseren katholischen Glauben in vollkommener Treue leben mit der glühenden Hingabe der Märtyrer in England, die lieber bereit waren alles zu tun und zu erleiden, anstatt von der Messe getrennt zu werden, die sie mehr als ihr eigenes Leben lieben gelernt haben. Ja, wir werden aufgefordert Opfer zu vollbringen – die Annahme eines ungünstigen Zeitpunktes, oder eines weniger-als- zufriedenstellenden Ortes, demütiges tragen von Missverständnissen und sogar Ablehnung durch unsere Lieben – aber wir wissen, dass ein Opfer im Interesse eines größeren Wohls der Inbegriff der Nächstenliebe ist.

Wir haben Euch zehn Gründe für den Besuch der traditionellen lateinischen Messe gegeben. Viele weitere könnten wir anführen und jeder Person hat seine eigene. Was wir sicher wissen, ist, dass die Kirche ihre Messe braucht, dass wir diese Messe brauchen, und dass die Messe in einer wunderlichen, uns mit unverdienten Privilegien verleihenden Art und Weise, uns braucht. Lasst uns an ihr festhalten, damit wir umso mehr an Christus unserem König, unserem Heiland, unserem Alles hängen.
NOTES
[1] See “Helping Children Enter into the Traditional Latin Mass” (Part 1, Part 2); “Ex ore infantium: Children and the Traditional Latin Mass” (here).
[2] Chesterton, Orthodoxy (San Francisco: Ignatius Press, 1995), 132.
[3] Jonathan Robinson, The Mass and Modernity (Ignatius Press, 2005), 307.
[4] Ibid., 311, italics added.
[5] Ibid., 311.
[6] The same author, John Zmirak (who is sound on this issue), continues: “The old liturgy was crafted by saints, and can be said by schlubs without risk of sacrilege. The new rite was patched together by bureaucrats, and should only be safely celebrated by the saintly.” John Zmirak, “All Your Church Are Belong to Us.”
[7] As documented in Peter Kwasniewski, Resurgent in the Midst of Crisis (Kettering, OH: Angelico Press, 2014), ch. 6, “Offspring of Arius in the Holy of Holies.”
[8] See, among Lauren Pristas’s many fine studies, her book Collects of the Roman Missal: A Comparative Study of the Sundays in Proper Seasons Before and After the Second Vatican Council (London: T&T Clark, 2013).
[9] Fortunately, acknowledging that this was a mistake, Pope John Paul II restored St. Catherine to the Novus Ordo calendar twenty years later, but what about all the other saints who got axed?
[10] Chesterton, Orthodoxy, 53.
[11] See, among the many who argue for this point, Fr. Richard Cipolla, “Epiphany and the Unordinariness of Liturgical Time.”
[12] See Father X, “Losing Fragments with Communion in the Hand,” The Latin Mass Magazine (Fall 2009), 27-29.
[13] The Novus Ordo “Sign of Peace” has almost nothing to do with the dignified manner in which the “Pax” is given at a Solemn High Mass, where it is abundantly clear that the peace in question is a spiritual endowment emanating from the Lamb of God slain upon the altar and gently spreading out through the sacred ministers until it rests on the lowliest ministers who represent the people
[14] For centuries, going all the way back to the early Church (and even, says St. Thomas Aquinas, to the Apostles), the priest has always said “Mysterium Fidei” in the midst of the consecration of the chalice. He was referring specifically to the irruption or inbreaking of God into our midst in this unfathomable Sacrament.
 
Originally published on July 9, 2015.

Quelle: http://www.onepeterfive.com/ten-reasons-to-attend-the-traditional-latin-mass/
Hier übersetzt aus dem englischen Original .



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