Ablauf Messe

Die Heilige Messe
- Ablauf und Bedeutung -

"Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen,
als ohne das heilige Messopfer.
"   - hl. Pater Pio

Die Autorin dieses Textes ist Maria Montessori, eine katholische Pädagogin aus Italien. Maria Montessori war war religiöse Erziehung im Sinne einer hinführenden Erziehung sehr wichtig. Die heilige Messe beinhaltete für sie den Kern des Christentums, weswegen sie sehr dafür war, dass Kinder zur heiligen Messe innerlich und äußerlich Zugang bekamen. Die Pädagogik von Maria Montessori wurde im Nationalsozialismus verboten.

In diesem Text erklärt die katholische Pädagogin Maria Montessori Kindern das Geschehen der Heiligen Messe der römisch-katholischen Kirche, der Kirche Jesu Christi. 
Der Abdruck dieses Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Herder Verlages. Quelle: Kapitel "Drittes Buch: Die Messe, Kindern erklärt" aus
Maria Montessori, Kinder, die in der Kirche leben. Die religionspädagogischen Schriften von Maria Montessori. Hrsg. und übersetzt von Helene Helming copyright Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. 1964

IV. DIE MESSE DER KATECHUMENEN

Wenn der Priester beginnt, die Messe zu feiern, so steht er aufrecht am Fuße der drei Stufen und wendet sein Antlitz zum Altar. Derjenige, der ihm dient, steht auf der linken Seite des Priesters, beide machen nun zusammen mit allen, die in der Kirche sind und an der Messe teilnehmen wollen, das Kreuzzeichen.

DAS KREUZZEICHEN — erinnern wir uns daran, was das Kreuzzeichen am Beginn des Christentums bedeutete. Es war die Gebärde, durch die ein Christ sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Es war das Zeichen, das von den Angehörigen einer verfolgten Gesellschaft gebraucht wurde, zu einer Zeit, als die Zugehörigkeit zur Kirche oft mit grausamem Tod von den regierenden Mächten bestraft wurde. Als Erkennungswort sprach es jeder heimlich aus, als Bekenntnis des Glaubens an den dreieinigen Gott:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Man macht mit der rechten Hand ein Zeichen in der Form des Kreuzes von oben nach unten und von links nach rechts. Es wurde das heilige Zeichen des Christentums; es weist hin auf das Opfer Christi.

Seit 2000 Jahren haben die Christen dieses Zeichen des Sieges wiederholt, und wenn wir uns selbst damit ganz bezeichnen, so fühlen wir seine heilige Würde.

Mit diesem Zeichen beginnt also die heilige Messe. Und diese große Gebärde vereinigt alle an den Stufen des Altars, den Priester und den entferntesten der gegenwärtigen Gläubigen.

Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.


Die Messe beginnt und setzt sich fort als Huldigungsakt und Opfer an die Allerheiligste Dreifaltigkeit.

DAS VERSCHLOSSENE TOR — wenn der Priester das Kreuzzeichen gemacht hat, beginnt er zu sprechen, und Messdiener oder alle Gläubigen antworten ihm. Sie sprechen den Psalm 42.

Man glaubt, der Priester würde die Stufen des Altars hinaufsteigen, weil er wiederholt sagt:

Zum Altare Gottes will ich treten.

Aber er ändert seine Stellung noch nicht.

In dem Psalm drückt der Priester seinen Entschluss aus, sich dem Altare Gottes zu nähern. Er ist traurig, aber er weiß, dass alle Freude vom Herrn kommt. Er fühlt sich verfolgt, und er bittet Gott um Gerechtigkeit.

Führe meine Sache“, so betet er, „gegen ein unheiliges Volk, und errette mich vor frevelhaften falschen Menschen!

Aber seine Traurigkeit schwindet noch nicht. Daher spricht er zu Gott:

Sende mir dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deinem heiligen Berg... Dann will ich dich mit Harfenspiel lobpreisen, Gott, mein Gott.

Aber seine Seele ist noch nicht getröstet.

Warum bist du noch traurig meine Seele und quälst mich mit Kummer?

Der stolze Mensch, der sich über seine Mitmenschen erhöht fühlt, kann die Stufen nicht emporsteigen, und seine Anrufungen vor Gott und sein Versprechen der Lobpreisung bleiben wirkungslos. Nur ein Mensch, der bereut, kann sich Gott nahen, ein demütiger Mensch, der sich niederwirft und in Reue spricht:

Ich bekenne, ein Sünder zu sein, erbarme dich meiner.

DIE REUE — der Priester wechselt seine Haltung. Er stand vorher aufrecht, aber jetzt beugt er sich tief mit seinem Gesicht zur Erde, er schlägt an seine Brust mit seiner geschlossenen rechten Hand. Er wendet sich zu dem Knaben, der das Volk vertritt, und er spricht laut und nicht im geheimen:

Ich bekenne vor euch allen, dass ich ein Sünder bin, durch meine Schuld, durch meine große Schuld, und ich bitte alle, mir zu helfen und den barmherzigen, allmächtigen Gott anzurufen. Ich bekenne vor Gott, vor der seligen Jungfrau Maria, vor den Engeln, vor den Heiligen und vor allen Menschen.

Dann neigen der Knabe und alle Anwesenden auch ihre Häupter, und auch sie bekennen sich schuldig; und der Priester wendet sich zum Volk wie zu seinen Brüdern, und alle Leute wenden sich ihm zu wie zu ihrem Vater. Und sie bitten einander gegenseitig, füreinander zu beten, und sie rufen die göttliche Barmherzigkeit um Verzeihung an.

DER AUFSTIEG — jetzt endlich geht der Priester zum Altar und er steigt die drei Stufen hinauf.

DIE BEGEGNUNG MIT DEN HEILIGEN — er begegnet den heiligen RELIQUIEN. Bewegt durch Verehrung und Liebe, beugt sich der Priester nieder und küsst die Stelle des Altars über den Reliquien.

Durch die Verdienste deiner Heiligen, deren Reliquien hier ruhen, Gott, verzeihe mir meine Sünden.

Die Schildwache Gottes gibt nun dem reuigen Menschen den Weg frei. Er steht endlich am Altar, sein Verlangen ist erfüllt:

Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf.

DAS OFFENE BUCH — der Priester tritt an die rechte Seite des Altars und liest aus dem aufgeschlagenen Messbuch zuerst den INTROITUS. Er ist ein Eingangsgebet aus mehreren Psalmversen, die wechseln, je nach dem Tage, an dem die Messe gefeiert wird.

Der Priester hat als reuiger Mensch um Verzeihung und Hilfe gebetet. Jetzt aber, da sein Wunsch, an den Altar zu treten, erfüllt ist, spricht er aus dem Drang seines Herzens laut ein dreifaches Gebet, einen neunfachen feierlichen Ruf an Christus. Jedes Mal, wenn er ruft, antwortet ihm das Volk.

DAS KYRIE — „Herr erbarme dich unser — Christus erbarme dich unser — Herr erbarme dich unser!

DAS LIED DER FREUDE — der Priester faltet nun die Hände und geht zurück zur Mitte des Altares. Er ist von Freude erfüllt, „der Freude der Jugend“, die ihn schon am Fuße des Altars erfüllt hat. Er ist glücklich in Gott, wie die Hirten, die in der Heiligen Nacht um den Stall von Bethlehem ein großes Licht sahen und die den Gesang der Engel (DAS GLORIA) hörten, welche die Geburt des Erlösers verkündigten.

Derselbe Gesang erhebt sich aus seinem Herzen:

Ehre sei Gott in der Höhe
Und auf Erden Friede den Menschen,
die guten Willens sind.
Wir loben dich,
Wir preisen dich,
Wir beten dich an,
Wir verherrlichen dich.


Das ganze Volk vereinigt sich mit dem Priester in diesem Lobpreis.

DIE LESUNG — jetzt schweigt der Priester. Er wird eine Lesung beginnen zur Unterweisung der Gläubigen; diese ist begleitet von Gebeten und Psalmversen, die zur Messe des Tages gehören. Bevor er beginnt, wendet er sich zu den Gläubigen und grüßt sie, er steht dabei in der Mitte des Altars, dem er einen Augenblick den Rücken zuwendet, und er spricht: „Der Herr sei mit euch!

Die Gläubigen antworten ihm: „Und mit deinem Geiste.

Dann wendet sich der Priester zum heiligen Buch und sucht nun im Messbuch die kurzen besonderen Gebete, die an diesem Tage zu beten sind.

Wir sollen alle aufmerksam hören, was uns gelehrt wird.

Wie ein Lehrer, der seine Schüler zur Aufmerksam-keit aufruft, bevor er eine schwere und kostbare Unterweisung gibt, so tut auch der Priester. Er ladet zunächst alle Versammelten ein, mit aufmerk-samem Herzen sich ihm zuzuwenden, während er in den Kollekten Gott die Gebete aller Anwesenden darbietet.

Die Lesung, die nun folgt, heißt DIE EPISTEL, weil sie gewöhnlich ein Teil der Briefe (Episteln) ist, welche die ersten Apostel des Herrn, besonders der hl. Paulus und der hl. Petrus geschrieben haben. Sie gaben den Christen, die fern waren und in ihrem Glauben unterstützt werden mussten, Unterweisung und Rat, unterrichteten sie in der christlichen Tugend und regten sie an, Gutes zu tun; denn in jenen Zeiten der großen Opfer war viel Treue nötig. Die Christen lebten damals oft als Einzelne und in kleinen Gemeinden verstreut und wurden grausam verfolgt.

Unter dem Namen Epistel werden auch manchmal Teile aus der Apostelgeschichte gelesen, d. h. aus der Geschichte der heldenhaften und wunderbaren Taten, die von den ersten Jüngern Christi nach seinem Tod vollbracht wurden.

Unter demselben Titel werden oft auch Abschnitte aus dem Alten Testament gelesen, die sich auf die Weissagungen beziehen, die unseren Herrn Jesus Christus, den langerwarteten Messias, ankündigten. Es wurde schon genau von ihm gesprochen durch die Propheten Israels, Jahrhunderte vor seiner Menschwerdung.

So werden uns also die heiligen Schriften vorgelesen, ein wenig jeden Tag während des ganzen Jahres. Es ist, als ob die Lehrerin, die zugleich unsere liebe Mutter ist, uns kurze interessante Lehren gäbe, immer verschieden, um uns zu helfen, in die heiligen Dinge einzudringen. Diese liebende Mutter und diese weise Lehrerin ist die Kirche, die auf diese Weise die Lehren an ihre Kinder verteilt, während des ganzen liturgischen Jahres.

DAS GRADUALE — wenn der Priester die Lesung der Epistel beendet hat, so liest er das Graduale. In alten Zeiten war dies ein Lied aus den Psalmen, auf das die Gläubigen mit Freude antworteten: „Alleluja“, d. h., „der Herr sei gepriesen“. Das Wort Graduale ist aus dem Lateinischen genommen und heißt Stufengebet und wurde, wie man sagt, so genannt, weil die ersten Christen, von Glauben erfüllt, an die Stufen des Altars kamen, um es zu singen.

DAS EVANGELIUM — jetzt kommen wir zu einem feierlichen Augenblick.

Wir nähern uns dem Worte Gottes, wir werden in einigen Augenblicken die Lehre Christi empfangen.

Die religiöse Erwartung unseres Herzens sollte groß sein. Es entsteht eine Bewegung, wenn wir das göttliche Wort hören sollen. Es kommt der letzte Teil der Messe der Katechumenen. Wir stellen uns vor, wie sie sprechen: „Wir sind gekommen, um den Worten des göttlichen Meisters zu lauschen, lasset uns aufrecht stehen, um zu hören.

Das Buch, das auf der rechten Seite des Altars war, wird zur linken getragen, um zu zeigen, dass die Stimme der Menschen verschieden ist von der Stimme Gottes.

Der Priester fühlt sich der Aufgabe, die Worte Gottes zu vermitteln, unwürdig. Er möchte würdig sein, er möchte geläutert werden. So bleibt er in der Mitte des Altars stehen, beugt sein Haupt und wendet sich an Gott mit dem sehr glühenden und schönen Gebet: „Munda cor meum… Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger Gott, der du mit glühenden Kohlen die Lippen des Isaias gereinigt hast…

Dann geht er zur Linken des Altars. Er steht nun vor dem Buch, in diesem schlägt er die Stelle auf, wo das Evangelium für den Tag steht. Der Priester grüßt nun das Volk und fordert es zur Aufmerksam-keit auf; alle stehen schon und sind erfüllt von der Feierlichkeit des Augenblicks.

Der Herr sei mit euch“, sagt der Priester. — „Und mit deinem Geiste“, antworten sie.

Dann beginnt er zu lesen: „Es folgt das Evangelium…“ Er macht das Kreuzzeichen auf das Buch und dann ein kleines Kreuz auf seine Stirn, auf seine Lippen und auf seine Brust, um seine Gedanken, seine Worte und seine Handlungen zu heiligen, bevor er das Evangelium des Tages liest. Die Leute machen diese drei kleinen Kreuze wie der Priester und sagen: „Ehre sei dir, o Herr.“ Nun beginnt der Priester seine Lesung.

Wenn er zu Ende gelesen hat, so antworten die Gläubigen: „Lob sei dir, Christus“, während der Priester das Buch voll Ehrfurcht küsst und dabei sagt: „Durch diese Worte des Evangeliums mögen unsere Sünden getilgt werden.

DAS CREDO — was sollen wir tun, nachdem Christus uns belehrt hat?

Wir sollen unseren Glauben mit lauter Stimme bekennen. Der Priester geht zur Mitte des Altars und beginnt das Glaubensbekenntnis zu sprechen, und alle Anwesenden beten es stehend mit. Nur bei dem Satz: „Er hat Fleisch angenommen…“ beugen der Priester und das Volk das rechte Knie und bleiben knien bis zu den Worten: „und ist Mensch geworden“. Dann stehen sie wieder bis zum Ende des Credo.

Das Amen am Schluss meint nicht wie gewöhnlich: „So sei es“, sondern es ist die Bestätigung der Wahrheit: „So ist es.“ Dann verkündigt der Priester mit einem „Der Herr sei mit euch“, dass die Messe der Katechumenen beendet ist.

V. DAS OPFERMAHL

Die Messe der Gläubigen

DIE BEREITUNG DER GABEN — nach dem „Dominus vobiscum“, das ein Abschiedsgruß war, gingen, wie wir gehört haben, die Katechumenen fort, denn zur Messe des Geheimnisses wurden nur die zugelassen, die unterwiesen und getauft waren.

Viele Gläubige brachten jetzt ihre Gaben zum Altar. Während des Kommens und Gehens sammelte man Almosen für die armen Brüder und Schwestern, oder man verlas die Namen der Wohltäter. Alle diese Geräusche aber wurden übertönt von einem Psalm, den alle im Chor sangen. Dieser Psalm wechselte von Tag zu Tag, und man nannte ihn später das Offertorium.

Von dieser alten Sitte sind nur wenige Spuren erhalten. Wer die Messe nicht kennt, bemerkt diese Stelle kaum, außer vielleicht dann, wenn zu dieser Zeit jemand umhergeht und Almosen bei den Anwesenden sammelt. Das ist von der alten Sitte noch übrig. Oft legen beim Eintritt in die Kirche die Gläubigen, die an der Kommunion teilnehmen wollen, jeder eine Hostie in das Ciborium. Dieses wird jetzt vom Messdiener zum Altar geholt.

Anstelle des Psalms, der in alter Zeit gesungen wurde, liest der Priester heute nur zwei oder drei kurze Verse, die je nach der Messe wechseln: Das ist das OFFERTORIUM des Tages. Der Priester liest es aus dem Messbuch, das auf der linken Seite des Altars steht. Dann enthüllt er in der Mitte des Altars die geheimnisvollen Geräte, die bis jetzt unberührt auf dem Altarstein standen.

Zu Beginn der Messe hat er die Burse abgenommen und sie sorgfältig zur linken Seite gelegt, nachdem er das Corporale herausgenommen hat, um es über den Altarstein zu breiten. Jetzt nimmt er das Velum vom Kelch ab und legt es zur Seite hin. Der Kelch steht jetzt ohne Hülle da, nur liegen darauf die Patene und die Palla. Der Priester nimmt nun den Kelch mit dem, was darauf liegt, und stellt das Ganze ein wenig zur Seite. Er hebt nun die Palla vom Kelch, legt sie rechts von sich hin, nimmt die Patene mit der Hostie und hebt sie und die Hostien der Gläubigen empor, um die Gaben Gott darzubringen. Dabei spricht er ein Gebet, das mit den Worten beginnt:

Heiliger, allmächtiger Gott, nimm diese makellose Opfergabe gnädig an.

Er macht mit der Patene ein kleines Kreuzzeichen, und er neigt sie ein wenig und lässt die große Hostie genau in die Mitte des Corporale gleiten, dann legt er die Patene ein wenig nach rechts hin.

Er nimmt dann den Kelch. Der Kelch ist leer. Er wischt den Kelch sorgfältig mit dem Kelchtüchlein aus und geht dann mit ihm zur rechten Seite des Altars.

Dort steht der Messdiener mit den Kännchen. Der Priester nimmt ein Kännchen und gießt Wein in den Kelch, dann nimmt er das andere Kännchen und fügt ein wenig Wasser hinzu. Der Priester spricht dabei die Worte:

Gott, du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert. Lass uns durch das Geheimnis dieses Wassers und Weines teilhaben an der Gottheit dessen, der sich herabgelassen hat, unsere Menschennatur anzunehmen, Jesus Christus…

Der Priester opfert dann den Kelch, er hält ihn dabei ein wenig über das Corporale erhoben.

Wir opfern dir, Herr, den Kelch des Heiles.” Dann macht er mit ihm das Zeichen des Kreuzes und stellt ihn wieder hin und bedeckt ihn mit der Palla.

Jetzt sind Brot und Wein bereitet, der Priester steht gesammelt und ein wenig gebeugt, die Augen auf die Gaben gerichtet, die Hände gefaltet und auf den Altar gestützt, da. Er hat die Haltung eines Menschen, der sich mit Gott vereinigen will.

Er betet: „Lass uns, Herr, im Geiste der Demut und mit zerknirschtem Herzen bei dir Aufnahme finden. So werde unser Opfer heute vor deinem Angesicht, auf dass es dir wohlgefalle, Herr und Gott.

Dann erhebt der Priester seinen Blick, und er breitet seine Hände aus und spricht:

Komm, Heiligmacher, allmächtiger, ewiger Gott, und segne dieses Opfer, das deinem heiligen Namen bereitet ist!

Während er diese Worte spricht, segnet er mit ausgebreiteten Händen das Brot und den Wein.

Bald werden seine Hände die heilige Hostie berühren. Wie er vor der Lesung des Evangeliums gebetet hat, Gott möge seine Lippen reinigen, so fühlt er jetzt das Bedürfnis, seine Hände zu reinigen.

Er geht zur rechten Seite. Der Messdiener, der dort in Erwartung der großen Dinge, die kommen sollen, gesammelt steht, hat schon das Krüglein mit Wasser, eine Schüssel und das kleine Handtuch vorbereitet; er gießt nun ein wenig Wasser über die Finger des Priesters. Während dieser sich wäscht, ist er bewegt von der Nähe des großen Geheim-nisses, und er betet mit leiser Stimme:

In Unschuld will ich meine Hände waschen, o Herr… Ich liebe die Zierde deines Hauses... Lass mich nicht zugrunde gehen mit den Sündern… Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.

Er geht zur Mitte des Altars zurück. Der heiligen Dreifaltigkeit bringt er das Opfer Christi dar, und er erklärt dies feierlich und spricht seine Meinung aus:

Heilige Dreifaltigkeit, nimm diese Opfergabe an… zum Andenken an das Leiden, die Auferstehung und die Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus…

Jetzt ist der Augenblick, auch an die Seelen der großen Heiligen zu denken. „Wir wünschen, dass unser Opfer auch ihnen zu Ehren dargebracht wird, zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria und der andern Heiligen. Wir gedenken ihrer, damit sie in ihrer Güte uns beistehen. Durch Christus unsern Herrn.

So betet der Priester, er neigt den Kopf und faltet die Hände. Die Leute warten schweigend, der Priester küsst den Altar, und er wendet sich dann zu den Gläubigen und spricht:

Betet Brüder, dass mein und euer Opfer wohlgefällig werde bei Gott, dem allmächtigen Vater.

Die Gläubigen antworten:

Der Herr nehme das Opfer an aus deiner Hand zum Lob und Ruhme seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.

Der Priester und die Leute oder der Messdiener haben dies mit lauter Stimme gesprochen, nun schweigen sie. Das „Amen“, das der Priester ausspricht, ist kaum hörbar. Wenn der Priester nun zum Buch geht, liest er lautlos das Stillgebet.

An die Darbringung der Gaben kann jeder sich still anschließen. Es wurden Brot und Wein dargebracht, so bringt sich in der Stille jeder zum Opfer dar. In diesem Augenblick des Schweigens ist es, als ob Altar und Volk gemeinsam sich mit dem Himmel im Gebet verbinden.

Der Kanon

DIE KONSEKRATION oder WANDLUNG ist der Mittelpunkt der ganzen Messe. Sie ist so feierlich, dass sie mit einer Einführung, der Präfation, beginnt.

Später folgt der Augenblick der Wandlung, das Opfer. — Der Augenblick, in dem die Worte des heiligen Abendmahls gesprochen werden und der lebendige Christus zu uns kommt, ist das Gedächtnis des Leidens und besonders des Zeitpunktes im Leben des Messias, in dem er sich am Kreuz für uns opferte. Dieses Opfer ist der Mittelpunkt der Handlung; deshalb heißt die ganze Messe „DAS HEILIGE OPFER“.

Zuerst geschieht eine feierliche Danksagung an den himmlischen Vater. Damit ist eine Begrüßung Christi verbunden, die an den Einzug des Herrn in Jerusalem erinnert, um ihn zu ehren und zu verherrlichen. Jesus wurde begrüßt von den Leuten und Kindern, die Palmzweige in den Händen trugen und riefen: „Hosanna! Hosanna! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn!

DIE PRÄFATION — Im Ritus der Messe hört man vor Beginn der Präfation wieder die erhobene Stimme des Priesters. Er hat leise gebetet, und er beendet dieses Stillgebet, als ob er die Gläubigen aufrufen wolle, und sagt laut, nachdem er Gott gelobt hat: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Und sie antworten: „Amen.

Die Leute hören wieder den Gruß des Priesters, der, wie so oft, sie anredet: „Dominus vobiscum!

Dann ruft der Priester: „Erhebet eure Herzen!

Und sie antworten froh: „Wir haben sie zum Herrn erhoben!

Alle sind von derselben Freude erfüllt: Der Herr ist nahe.

Lasset uns danksagen dem Herrn“, sagt der Priester, der seine Dankbarkeit ausdrücken und den himmlischen Vater grüßen will. Er will, dass das Volk sich mit ihm vereinigt, und es antwortet: „Es ist würdig und recht.

Der Priester fährt fort: „Es ist in Wahrheit würdig und recht, billig und heilsam, dir immer und überall dankzusagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, durch Christus unseren. Herrn. Durch ihn loben die Engel deine Majestät, die Herr-schaften beten sie an, die Mächte verehren sie zitternd… Mit ihnen lass, so flehen wir, auch uns einstimmen…

Der Messdiener nimmt nun DIE SCHELLE und gibt ein Zeichen  mit ihr; alle Leute knien nieder, und sie vereinigen sich mit dem Priester zu der Begrüßung des Herrn (dem SANKTUS):

HEILIG, HEILIG, HEILIG,
Gott der Heerscharen.
Himmel und Erde sind erfüllt
von Deiner Herrlichkeit.
HOSANNA IN DER HÖHE!
Hochgelobt sei,
Der da kommt im Namen des Herrn!
HOSANNA IN DER HÖHE!

Das Opfer

Der Hauptteil der Messe der Gläubigen, der jetzt beginnt und der „das Opfer“ heißt, erinnert an die alten Gottesdienste der heidnischen Religion und auch an die des auserwählten Volkes. Diese Riten oder Feiern bestanden nicht nur aus Gebeten, sondern auch aus Opfern an die Gottheit, der eine Gabe, ein materielles Geschenk dargebracht wurde. Da man aber der unsichtbaren Gottheit kein Geschenk übergeben konnte, so zerstörte man ihr zu Ehren einen Gegenstand: man tötete gewöhnlich ein lebendes Tier, das man als „Ganzopfer“ verbrannte.

Das ging unter großer Feierlichkeit vor sich, nachdem man das gewählte Opfertier auf einem erhöhten Platz oder Altar dargebracht hatte. Diese Handlung, die einen Gegenstand heiligte, nannte man „Opfer“. Und da diese Handlung auf dem Altar ausgeführt wurde, so nannte man sie „das Opfer des Altares“. In der Sprache des Alltags hat das Wort Opfer oft die Bedeutung, „etwas hinzugeben, auf etwas zu verzichten“, denn auf den Gegenstand, der dargebracht wird, und zwar auf einen besonders wertvollen, verzichten die, die ihn opfern. Die Heilige Schrift erzählt uns von Abel, dem gerechten Mann, der Gott das schönste Lamm seiner Herde darbrachte, und von Abraham, dem Patriarchen, der bereit war, Gott sofort zu gehorchen, als er den Befehl erhielt, seinen einzigen Sohn zu opfern; denn kein Verzicht erschien ihm zu groß, wenn Gott ihn forderte. Im Gesetz des Alten Bundes war es der Priester, der ein Opfer heiligte, indem er ihm seine Hände auflegte. Das geheiligte Opfer hieß „hostia“, und daher stammt unser Wort „HOSTIE“.

Die Opferweihe wurde mit großer Feierlichkeit begangen. Dann wurde das Opfertier getötet und gewöhnlich so, dass das Blut ganz ausfloss. Mit dem Opfer auf dem Altar wollte man die Gottheit ehren und auch versöhnen, wenn Gott beleidigt worden war, und seinen Schutz wiedererlangen.

Diese religiösen Sitten mögen uns Christen heute seltsam erscheinen, aber sie waren der Ausdruck eines Gefühls, das dem Menschen natürlich ist. Auch im gewöhnlichen Leben werden oft Opfer gebracht: Zum Beispiel nehmen wir eine Schere und schneiden eine sehr schöne Blume ab, um sie jemandem zu überreichen. Wir töten das Leben der Blume. Wenn wir eine hohe Persönlichkeit ehren wollen, so wählen wir die seltensten, duftendsten Blumen aus, und wir binden einen besonders schönen Strauß mit schönen Bändern. Die Person, welche die Gabe darbringt, kleidet sich festlich und überlegt vorher die rechten Gebärden und Worte für die Überreichung der Gabe.

Wir verstehen, dass derselbe Wunsch mit größerer Pracht und Feierlichkeit ausgeführt wird, wenn die Gabe Gott dem Allmächtigen dargebracht wird.

Der neue Ritus. Jesus war es, der uns eine neue Lehre gab, die sich nicht nur auf menschliches Gefühl stützte, sondern auf die Offenbarung der göttlichen Wahrheit.

Christus zeigte uns, dass Gott etwas Größeres verlangt als die alten Brandopfer. Ein einziges Opfer wird dargebracht, und das ist Christus, der sich für uns opfert. Von uns verlangt Gott als Gabe unser innerstes Herz.

Jesus hat uns die Wirklichkeit anstelle des Scheins aufgezeigt, und er hat die Herzen der Gläubigen erleuchtet.

Das Neue vertreibt das Alte, die Wirklichkeit den Schein. Das Licht besiegt die Finsternis, die alten Opfer weichen dem neuen Ritus.

Und der Herr Jesus hat uns nicht nur eine Lehre gegeben, sondern ein Beispiel, damit wir ihm folgen. Er opfert sich selbst, wie Gott es will: Er wurde dadurch dem Vater bis zum Tode gehorsam, bis zum Tode am Kreuze.

In jenem Augenblick, als das Blut Jesu auf GOLGOTHA vergossen wurde, war die ganze Welt ein Altar, und ein einziger Tropfen dieses Blutes genügte, alle Sünden der Welt abzuwaschen.

Die Messe des heutigen Tages ist das Opfer auf dem Altar, sie ist die Darbringung eines OPFERLAMMES, das sein Blut vergossen hat. Das Opfer wird Gott dargebracht, der beleidigt worden ist durch die Sünden der Menschen. Das Opfer wird dargebracht, um ihn anzubeten, ihm dankzusagen und ihn zu versöhnen.

Im neuen Ritus ist das Opfer immer Christus selbst, der sich für uns opfert, um uns zu erlösen und uns teilnehmen zu lassen an seinem göttlichen Leben. Das Opfer im neuen Ritus ist der lebendige Leib Christi.

Die Messe erneuert immerfort das Opfer in dem Augenblick, da unser Herr in die Gestalten von Brot und Wein eingeht.

DER KANON — die Gebräuche, welche die heilige Messe begleiten, sind genau bestimmt. Man nennt sie den RITUS der Messe. Besonders im geheimnisvollen Hauptteil der Messe sind alle Handlungen bestimmt und vorgeschrieben: Deshalb nennen wir diesen mittleren Teil des Ritus Kanon, d.h. Regel.

Am wichtigsten ist die Handlung, die das Letzte Abendmahl darstellt. Der Priester vertritt Christus. Er wiederholt die Handlungen und die Worte, und es ereignet sich dasselbe.

In der Nacht des Letzten Abendmahls, als er mit seinen Brüdern zu Tische saß, verwandelte Christus wirklich das Brot in sein Fleisch und den Wein in sein Blut. Wenn unsere Sinne auch nicht verstehen, wie solch ein Ereignis erneuert wird, so überzeugt doch der Glaube ein aufrichtiges Herz.

Preise meine Zunge das Geheimnis des ruhmwürdigen Leibes und des kostbaren Blutes, das der König der Völker zur Erlösung der Welt vergossen hat.

Lasst uns auf den Knien ein so großes Sakrament verehren; das alte Opfer weicht dem neuen Ritus.

DIE DIPTYCHEN — im Kanon der Messe gibt es Gebete, in denen wir die Lebenden und Verstor-benen Gott empfehlen und die Heiligen um ihre Hilfe bitten; diese Gebete müssen wir von  dem Hauptteil der Messe unterscheiden, der sich ganz auf das Opfer des Altars bezieht. Diese Gebete heißen Diptychen, weil in alten Zeiten Diptyche, d.h. Doppeltafeln aus Holz, Metall oder Elfenbein, dafür gebraucht wurden, in einer langen Liste die Namen der Lebenden oder der Verstorbenen, für die man beten wollte, aufzuschreiben. Auch die Heiligen, die angerufen wurden, waren in einer langen Liste aufgeschrieben.

Diese Sitte ist ein Ausdruck der Liebe und des Glaubens. Der Herr ist nahe, ER, der uns sagt: „Bittet, und es wird euch gegeben werden!

Während der Priester mit der Macht, die Christus ihm gegeben hat, Gott anruft und während er dem Ritus folgt, den der Kanon umfasst, ist es natürlich, dass die Leute und der Priester selbst auch um Gnade bitten für sich selbst und für diejenigen, die sie lieben und die ihnen im Leben nahe sind, und dass sie den um Erbarmen bitten, der in die Vorhölle hinabstieg, um die Seelen, die im Glauben gestorben sind, zu befreien und ihnen Frieden zu geben.

Auch in Palästina kamen viele zu unserem Herrn, wenn er vorüberging, und baten ihn, jemanden zu heilen, der nicht anwesend war, z. B. der Hauptmann, der ihn bat, seinen sterbenden Knecht zu retten.

Wenn wir wahrhaft glauben, dass derselbe lebende Christus geheimnisvoll zu uns kommt in der Messe, so fühlen wir uns gedrängt, ihn um Hilfe zu bitten, genau wie die Leute, denen er während seines Lebens auf der Erde begegnete.

Wegen solcher Gefühle sind die Bitten im Ritus der Messe erlaubt. Während des „GEBETES FÜR DIE LEBENDEN“, das fast am Anfang des Kanons steht, und des „GEBETES FÜR DIE VERSTORBENEN“, das ungefähr am Ende steht, empfehlen alle Anwesenden namentlich diejenigen, die ihnen lieb sind, und die, für die sie gern beten wollen, Gott, dem Herrn. Dies geschieht in der tiefsten Stille.

Auch das Gebet, in dem wir die heilige Jungfrau Maria und eine lange Reihe von Heiligen nennen, ist ein Akt gegenseitiger Vereinigung, zu dem der Glaube uns anregt. In großen Augenblicken unseres Lebens fühlen wir uns denen, die wir kennen, vereint, unsere Erinnerung ist dann erleuchtet, und wir denken an jeden einzelnen.

Die Gebete der Diptychen sind eine besondere Teilnahme der Gläubigen am Hauptteil der Messe. Der Messdiener ist jetzt ganz still, er kniet und hält die Schelle bereit.

Alle sind dem Geheimnis der EUCHARISTIE in Stille zugewandt.

Der Priester bewegt sich nicht fort von der Mitte des Altars; das Buch steht nahe bei ihm, es ist auf seiner linken Seite schräg hingestellt, so dass er darin lesen kann, ohne sich zu bewegen.

Die Hände des Priesters drücken mehr aus als Worte. Der Priester spricht leise, hebt seine Augen zum Himmel oder senkt sie auf die Gaben, die er aber bis zum Augenblick der Wandlung nicht berührt. Seine Hände sind fast die ganze Zeit erhoben, sie sind unbeweglich ausgebreitet, in einem Akt des Gebets, oder sie sind im Gebet vereinigt. Im Gegensatz zu dieser Unbeweglichkeit der Hände sehen wir, dass er mit ihnen oft ein Kreuzzeichen über die Gaben macht. Diese Gebärden sind wie eine Antwort Gottes in diesem geheimnisvollen Zwiegespräch. Der Mensch betet und fleht, Gott segnet.

DIE WANDLUNG – Nach dem SANKTUS stand der Priester gerade aufgerichtet und bewegungslos in der Mitte des Altars vor der Hostie und dem Kelch, die er gerade Gott dargebracht hatte, indem er sie ein wenig vom Corporale erhob.

Jetzt aber berührt er sie nicht. Die feierlichen Gebärden seiner Hände scheinen auf sie den göttlichen Segen herabzuflehen. Er breitet ein wenig die Hände aus, und dann vereinigt er sie wieder; er erhebt die Augen zum Himmel und senkt sie wieder; er sammelt sich und beugt sich tief auf den Altar herab und stützt seine Hände darauf.

Dich gütiger Vater bitten wir demütig und flehen zu dir durch Jesus Christus…“ Bei diesem Namen beugt er seinen Kopf noch tiefer und küsst den Altar. Er vereinigt jetzt seine Hände, die auf dem Altar geruht haben, vor seiner Brust.

Nimm wohlgefällig an und segne…“ Dann bewegt er seine rechte Hand und macht drei kleine Kreuze über die Gaben:

…diese Gaben, diese Geschenke, diese makellosen Opfergaben.“ Jetzt öffnet er seine Hände und breitet sie in einer Gebärde feierlichen Anrufes aus.

Hier werden dann die Gebete eingeschaltet, von denen wir schon gesprochen haben, das Gebet für die Lebenden und das Gedächtnis der Heiligen.

Die Gaben bleiben weiter auf dem Altar in Erwartung. Der Priester weiß, dass diese Gaben, die da bereit sind, bald das Opfer werden, das dargebracht wird. Und wie der Hohe Priester im Alten Bund tat, wenn er das Opfer auf dem Altar weihte, so breitet er seine Hände über die Hostie und den Kelch aus.

So nimm denn, Herr, wir bitten dich, diese Opfergabe huldvoll an, die wir, deine Diener und deine ganze Gemeinde dir darbringen… und reihe uns ein in die Schar deiner Auserwählten.

Die weiße Hostie und der Wein im Kelch sind auf dem Altartisch bereit, wie vor vielen Jahren Brot und Wein auf dem Tisch des Letzten Abendmahls bereit waren und darauf warteten, durch das Wort Christi verwandelt zu werden. Im nächsten Augenblick wird sich das gleiche Ereignis begeben, und der Priester wird dieselbe Macht haben.

Aber zuerst vereinigt er die Hände in dringendem Gebet. Er fleht Gott an, er möge die Gaben würdig machen für die große Verwandlung.

Diese Opfergabe mache du, o Gott, wir bitten dich, huldvoll in jeder Hinsicht zu einer gesegneten, vollkommenen, wohlgefälligen, damit sie uns Leib und Blut deines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, werde.

Jedes Verlangen, das im Wort ausgedrückt wird, begleitet der Priester durch das Kreuzzeichen; zuerst macht er drei Kreuze über Hostie und Kelch zusammen, dann nur eins über die Hostie und eins über den Kelch.

Und jetzt beginnt das, was beim Letzten Abendmahl geschah. Der Priester berichtet es in den Worten der Schrift und führt die ersten Handlungen aus.

Er nahm am Abend vor seinem Leiden Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände (der Priester nimmt die Hostie in die Hände), erhob die Augen gen Himmel zu dir, o Gott, seinem allmächtigen Vater (der Priester erhebt seine Augen zum Himmel), sagte dir Dank (der Priester beugt sein Haupt zum Gruß), segnete es (er nimmt die Hostie in seine linke Hand, er macht das Kreuzzeichen darüber mit seiner rechten Hand), brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten: ‚Nehmet hin und esset…'

Der Priester hält jetzt die Hostie zwischen den Zeigefingern und den Daumen der Hände, neigt sich tief herab und spricht deutlich und langsam die Worte:

„…das ist mein Leib…“

Der Messdiener, der nahe bei dem Priester kniet, hebt ehrfürchtig den Saum seines Gewandes empor und gibt mit der Schelle ein Zeichen für die Gemeinde.

Wenn der Priester die Worte gesprochen hat, fällt er auf die Knie und betet den Leib Christi an. Dann steht er auf und erhebt die Hostie, dass alle sie sehen und anbeten können.

Der Priester legt nun die Hostie auf das Corporale, aber Daumen und Zeigefinger beider Hände, welche die Hostie gehalten haben, bleiben vereinigt, als wenn sie nicht getrennt werden könnten. Der Priester deckt nun den Kelch ab, legt die Palla zur Seite und tritt wieder ein in die Szene des Letzten Abendmahls.

In gleicher Weise nahm er nach dem Mahl diesen wunderbaren Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände… (der Priester fasst den Kelch mit beiden Händen, aber Daumen und Zeigefinger jeder Hand trennen sich dabei nicht voneinander), …dankte dir abermals, segnete ihn…“ (der Priester neigt den Kopf, hält den Kelch in der linken Hand etwas über dem Altar erhoben und macht über ihn das Kreuzzeichen)

...und gab ihn seinen Jüngern mit den Worten: ,Nehmet hin und trinket alle daraus...‘

Jetzt hält der Priester den Kelch leicht erhoben, neigt sich über ihn und spricht die Worte der Wandlung sorgsam und ohne innezuhalten, aber jedes Wort deutlich aussprechend:

„Das ist der Kelch meines Blutes,
des Neuen und Ewigen Bundes
— Geheimnis des Glaubens —,
das für euch und für viele vergossen wird
zur Vergebung der Sünden ...“


Der Priester stellt den Kelch auf das Corporale. Er hat das getan, was Christus beim Letzten Abendmahl tat. In dem Kelch ist jetzt das Blut Christi, das Blut, das auf Golgotha geflossen ist und das Holz des heiligen Kreuzes tränkte.

Tuet dies, sooft ihr es tut, zu meinem Gedächtnis“, spricht der Priester leise, während er den Kelch auf das Corporale niederstellt; er kniet nieder in Anbetung, bald erhebt er sich wieder und hebt den Kelch hoch empor, so dass alle Anwesenden ihn sehen und anbeten können.

Wenn er ihn wieder auf das Corporale gestellt hat, bleibt der Priester unbeweglich stehen und breitet die Hände zum Gebet aus. Der Messdiener hält wieder das Gewand des Priesters und kniet in Anbetung.

Die heilige Wandlung ist vollendet. Jetzt ist der Augenblick gekommen, dem allmächtigen Vater das Opfer des Altars darzubringen, das seine göttliche Majestät versöhnen soll.

Der Priester beruft sich auf den Befehl Christi:

Daher sind wir denn eingedenk, Herr, wir deine Diener, aber auch dein heiliges Volk, des heilbringenden Leidens, der Auferstehung und der Himmelfahrt deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, und bringen so deiner erhabenen Majestät von deinen Geschenken und Gaben ein reines Opfer, ein heiliges Opfer, ein makelloses Opfer dar…

Während der Priester so spricht, macht er über den Kelch und die Hostie zusammen drei Kreuzzeichen. Dann unterscheidet er die beiden Gestalten, in denen Christus gegenwärtig ist, und macht ein Kreuzzeichen über die Hostie und ein Kreuzzeichen über den Kelch, und er fährt dabei fort in seinem Opfergebet:

…das heilige Brot des ewigen Lebens und den Kelch des immerwährenden Heils.“

Er breitet die Hände aus, und er fleht um Annahme des Opfers. Er denkt dabei an all die Gerechten, die Patriarchen und Priester, die in den ältesten Zeiten Gott Brandopfer dargebracht haben.

Schaue huldvoll darauf nieder mit gnädigem und mildem Angesicht, und nimm es wohlgefällig an, wie du einst mit Wohlgefallen aufgenommen hast die Gaben Abels, deines gerechten Dieners, das Opfer unseres Patriarchen Abraham und die makellose Gabe, die dein Hoherpriester Melchisedech dir dargebracht haben.

Der Priester beugt sich jetzt so tief herab, dass seine Stirn fast den Altar berührt. Er legt die Hände auf den Rand des Altars und spricht: „Demütig bitten wir dich, allmächtiger Gott: dein heiliger Engel möge dieses Opfer zu deinem himmlischen Altar emportragen vor das Angesicht deiner göttlichen Majestät. Lass uns alle (er küsst den Altar), die wir gemeinsam von diesem Altar das hochheilige Fleisch und Blut deines Sohnes empfangen (bei diesen Worten macht er das Kreuzzeichen einmal über die Hostie und einmal über den Kelch), mit allem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden.

Der Priester bekreuzigt sich nach diesem Gebet.

Er denkt dann an die Fülle der Gnade und des Segens, die den anwesenden Gläubigen gewährt werden. Dabei erwacht in ihm das Gedächtnis an alle Verstorbenen, die nicht mehr teilnehmen können und die in schmerzlicher Erwartung sind und in glühendem Verlangen nach Gott, den sie noch nicht schauen können. Das Herz des Priesters ist bewegt, er denkt auch an seine eigenen geliebten Toten. Alle Gläubigen vereinigen sich in diesem Gedenken durch „DAS GEDÄCHTNIS DER VERSTORBENEN“.

Plötzlich hören wir wieder die Stimme des Priesters; seine Hände, die, vereinigt oder getrennt, immer die Haltung des Gebets hatten, erinnern uns jetzt an den reuigen Menschen. Er schlägt an seine Brust mit der rechten geschlossenen Hand: „Auch uns Sündern…

Der Mensch, der in Gott versunken da stand und nicht an sich selber dachte, wird nun wieder aufmerksam auf sich und weiß, dass er ein Sünder ist. Er bekennt es mit lauter Stimme und betet für sich und alle Anwesenden. Er erbittet viel; denn in der Anwesenheit des Königs kann man viel erbitten. Alle Anwesenden sind nahe um unsern Herrn versammelt, wie die ersten Apostel, die ihn umgaben, als er ihnen vom Reiche Gottes sprach.

Auch uns Sündern, die auf deine überreiche Barmherzigkeit vertrauen, schenke in Gnaden Anteil und Gemeinschaft mit deinen Heiligen…

Er nennt sie auch mit Namen.

... mit deinen heiligen Aposteln, deinen Märtyrern, mit Johannes, Stephanus, Matthias, Barnabas, Ignatius, Alexander, Marcellinus, Petrus, Felicitas, Perpetua, Agatha, mit Luzia, mit Agnes und Cäcilia, Anastasia und allen deinen Heiligen.

Er rechtfertigt sich wegen dieser großen Bitte und fügt hinzu: „Wäge nicht, wir flehen zu dir, unser Verdienst, sondern schenke uns gnädig Verzeihung.

Auch die Gläubigen werden mit ihrer Bitte nicht zurückgewiesen. Wir alle sollen nach Heiligkeit streben. Wir suchen die Vereinigung mit Christus, um selig zu werden. Er wurde Mensch, und er kommt immer wieder zu uns, um uns zum Himmelreich zu führen, zum Ruhme der heiligsten Dreifaltigkeit. Unsere höchsten Bestrebungen werden möglich durch die Verdienste Christi. Deshalb fügt der Priester seinem Gebet die Worte hinzu: „Per Christum Dominum nostrum — Durch Christus unsern Herrn.

Durch ihn erschaffst du, Herr, immerfort all diese Gaben, heiligst, belebst, segnest und gewährst sie uns.“ (Bei diesen Worten macht der Priester wieder dreimal das Zeichen des Kreuzes.) Er deckt den Kelch ab, legt die Palla zur Seite, um die letzte Handlung der großen Feier zu begehen. Er nimmt die Hostie zwischen den Daumen und den Zeige-finger seiner rechten Hand und den Kelch in seine Linke (aber die beiden Finger auch dieser Hand, welche die heilige Hostie gehalten haben, hält er zusammen), und er macht langsam dreimal mit der heiligen Hostie über dem Kelch das Zeichen des Kreuzes von einem Rand des Kelches zum anderen, während er spricht: „Durch ihn und mit ihm und in ihm wird dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Ehre und Verherrlichung.“ Dabei macht er mit der Hostie noch zwei Kreuzzeichen zwischen dem Kelch und seiner Brust. Bei den letzten Worten hebt er den Kelch und die Hostie ein wenig in die Höhe, dann stellt er sie wieder auf das Corporale an ihren Platz. Er bedeckt den Kelch mit der Palla und beugt das Knie.

Mit klarer und verständlicher Stimme verkündet er allen, dass die Verherrlichung Gottes, nach der wir streben, ewig sein wird: „Per omnia saecula saeculorum — Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen“, antwortet das Volk, um die Gemeinschaft aller Gläubigen mit dem Priester in allem, was vom Anfang bis zum Ende gesagt wurde, zu besiegeln.

Dann wird das Vaterunser gesprochen. Wer könnte ein Gebet sprechen, das würdiger wäre für einen solchen Augenblick?

Lasset uns beten“, ermahnt der Priester mit gefalteten Händen. „Durch heilbringende Anordnung gemahnt und durch göttliche Belehrung angeleitet, wagen wir zu sprechen: (mit lauter Stimme und ausgebreiteten Armen stimmt nun in Gegenwart des lebendigen Christus der Priester das gemeinsame Gebet an)

VATER UNSER, der du bist im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
zu uns komme dein Reich,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel also auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute;
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung…


(Das Volk oder der Ministrant vollendet das Gebet:)

sondern erlöse uns von dem Übel.

(Und der Priester beschließt es mit dem Wort:) „Amen“. Oder alle beten das ganze Vaterunser (DAS PATERNOSTER) gemeinsam.

Die HEILIGE KOMMUNION — beim heiligen Abendmahl wartete unser Herr, nachdem er Brot und Wein verwandelt hatte, bis die Jünger seinem Befehl gehorchten: „Trinket alle, und esset davon!

Das Brot wurde geteilt, und jeder von den Aposteln nahm ein Stück davon. Der heilige Kelch ging von Mund zu Mund. Beim letzten Teil der Messe tun wir das gleiche.

Die große Zeremonie der Wandlung der Hostie und des Weins ist zu Ende. Dieser Teil der geheimnisvollen Handlung wurde abgeschlossen mit dem Paternoster.

Die Leute oder — in ihrer Vertretung — der Messdiener beteten: „Befreie uns vom Übel.

Derjenige, der die Kommunion empfängt, aber in schwerer Sünde ist, wird keinen Frieden finden, so wie Judas wird er den ewigen Tod schmecken. Aber die Guten, welche das Brot der Engel essen, werden den vollkommenen Frieden des Reiches Gottes erfahren.

Erlöse uns, Herr, wir bitten dich, von allem Übel, vergangenem, gegenwärtigem oder zukünftigem…“, so spricht der Priester leise. Er nimmt die Patene zwischen Daumen und Mittelfinger der rechten Hand. Sie ist der Teller, von dem er nun am heiligen Tisch essen wird; aber die ganze Zeit trennen sich nicht die Finger — der Daumen und der Zeigefinger —, welche die heilige Hostie berührt haben. Er fährt mit leiser Stimme im Gebet fort: „Und auf die Fürsprache der seligen, allzeit reinen Jungfrau und Gottesmutter Maria wie auch deiner heiligen Apostel Petrus, Paulus, Andreas und aller Heiligen…

Hier macht er das Kreuzzeichen. Und da er die Patene in der Hand hält, macht er es mit der Patene.

Gib barmherzig Frieden in unseren Tagen…

Er bittet um Frieden, der uns nur durch die Vereinigung mit Christus gegeben werden kann. Dann küsst er die Patene, er erinnert sich daran, dass es der Teller ist, von dem er das Brot der Engel empfangen wird.

Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen, dass wir von Sünden allezeit frei und vor jeder Beunruhigung gesichert seien.

Vorbereitung auf die heilige Kommunion

Der Priester beginnt jetzt die Vorbereitungen auf den Empfang des Leibes und Blutes unseres Herrn. Er begleitet die ersten Handlungen mit den drei Teilen des Gebetes zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit, das er so oft wiederholt: „Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Als erste Handlung schiebt der Priester die Patene unter die Hostie, die auf dem Corporale liegt, und er deckt den Kelch ab, und er legt die Palla zur Seite. Auf dem Corporale stehen also jetzt die Patene mit der Hostie und der unbedeckte Kelch.

Dann nimmt er die Hostie von der Patene mit dem Zeigefinger und dem Daumen jeder Hand, die er auch bei der Erhebung gebraucht: Jetzt aber erhebt er sie nicht; er hält sie mit beiden Händen über dem Kelch und bricht sie in zwei Teile und spricht den ersten Teil des Gebets:

Durch unsern Herrn, Jesus Christus, deinen Sohn.

Auch wenn man vom Altar ziemlich weit entfernt ist, kann man das Geräusch hören, das beim Brechen der Hostie entsteht, und es macht tiefen Eindruck auf alle, die mit Liebe anwesend sind. Alle sind in der Liebe des Herrn vereint.

Der Priester legt nun die rechte Hälfte der Hostie auf die Patene zurück, dann bricht er mit seiner freien Hand ein Stück von der linken Hälfte der Hostie, er hält es zwischen Daumen, und Zeigefinger der rechten Hand. Während der zweiten Handlung spricht der Priester den zweiten Teil des Gebets:

Der mit dir lebt und regiert in der Einheit des Heiligen Geistes.“ Dann legt er mit seiner linken Hand den übrigen Teil der Hostie auf die Patene neben die Hälfte, die dort schon liegt, und indem er das kleine Stück mit seiner rechten Hand über den Kelch hält, vollendet er das Gebet und erhebt dabei seine Stimme „Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Die Gläubigen antworten: „Amen.

Jetzt wendet sich der Priester an das Volk:

Pax Domini sit semper vobiscum — Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch.

Diese Worte begleitet er mit drei Kreuzzeichen, die er mit dem Teilchen der Hostie über dem Kelch macht. Die Gläubigen vereinigen sich mit dem Priester in dem Wunsch nach Frieden:

Und mit deinem Geiste.

Der Priester senkt das Teilchen der Hostie in den Kelch und betet dabei leise: „Diese geheiligte Mischung von Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus gereiche uns bei ihrem Empfange zum ewigen Leben.

Er bedeckt dann den Kelch, kniet vor den heiligen Gestalten nieder, die jetzt für das geheimnisvolle Mahl vorbereitet sind. Der Priester bleibt einen Augenblick stehen und betet still. Dann schlägt er dreimal an seine Brust und bittet um Barmherzigkeit und Frieden. Er bittet darum, noch inniger als im Anfang am Fuße des Altars, da er das Sündenbekenntnis ablegte; denn jetzt bittet er nicht um die Gnade, zum Altar treten zu dürfen, sondern er will Gott selbst empfangen in der heiligen Kommunion, in der Vereinigung mit dem Leib und Blut Jesu Christi.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt: Erbarme dich unser“, spricht der Priester zweimal mit lauter Stimme. „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt: Gib uns den Frieden!

Die wunderbare Gabe, die er empfangen soll, wird für ihn das Leben oder den Tod bedeuten, je nachdem, ob er gut oder böse ist. Aber sein Herz brennt vor Sehnsucht, sich mit dem Herrn zu vereinigen; so wie der Hirsch nach der Wasserquelle, so sehnt sich seine Seele nach Gott, so wie ein Säugling nach Milch verlangt, so verlangt er nach der geistlichen Nahrung. Aber bevor er diese erhabene Handlung ausführt, bittet er Gott, sein Herz zu bereiten. Er bittet auch um Frieden für die ganze Kirche. Er stützt die Hände auf den Altar, neigt sich vor und spricht ein inniges Gebet: „Herr Jesus Christus, du hast zu deinen Aposteln gesagt: Den Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch, schaue nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche… Du hast durch deinen Tod der Welt das Leben geschenkt. Erlöse mich durch dieses dein hochheiliges Fleisch und Blut von allen meinen Sünden und von jeglichem Übel... Gib, dass ich deinen Geboten allzeit treu bleibe, und lass nicht zu, dass ich mich jemals von dir trenne…

Der Genuss deines Leibes, Herr Jesus Christus, den ich Unwürdiger zu empfangen wage, gereiche mir nicht zum Gerichte und zur Verdammnis, sondern durch deine Güte zum Schutz für Leib und Seele und zu meiner Heilung…

Der Priester beugt das Knie vor dem Altar, und er verkündet dann, was er tun will:

Ich will das Himmelsbrot nehmen und anrufen den Namen des Herrn.

DIE KOMMUNION DES PRIESTERS — Der Priester beugt sich ein wenig, nimmt beide Teile der Hostie, die auf der Patene liegen, zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand; er hält die Patene zwischen Zeige- und Mittelfinger derselben Hand, so dass sie immer unter der Hostie ist zur Vorsicht, weil kleine Teilchen herabfallen könnten. Er schlägt dann dreimal an seine Brust mit der rechten Hand, wiederholt dreimal das demütige Gebet des gläubigen Hauptmanns, der Jesus darum bat, seinen kranken Knecht zu heilen, ohne dass er in sein Haus kam, weil sein Haus nicht würdig war, ihn zu empfangen: „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

Der Priester wiederholt dieses Gebet, er sagt dabei nur die ersten Worte laut, und alle Leute hören sie: „Herr, ich bin nicht würdig…

Jedes Mal fährt er leise fort und sagt das, was unserem Herrn so sehr gefiel: „…dass du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, und meine Seele wird gesund.

Dann bekreuzigt er sich mit der Hostie, indem er sie mit der rechten Hand über die Patene hält, und spricht: „Der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen.

Er beugt sich nieder und verzehrt ehrfürchtig die beiden Teile der Hostie.

Er legt nun die leere Patene auf das Corporale, faltet die Hände und betet einige Augenblicke still; denn er hat das heilige Sakrament empfangen. Da er weiß, dass Christus ganz ungeteilt in jedem Teilchen der Hostie zugegen ist, streicht der Priester mit der Patene über das Corporale, um auch die kleinsten Reste der Hostie zu sammeln. Er hält die Patene über den Kelch geneigt und streift mit dem Finger die Reste in den Kelch. Dann fährt er fort: „Wie könnte ich dem Herrn all das vergelten, was er mir getan hat. Den Kelch des Heiles will ich nehmen und anrufen den Namen des Herrn. In frohem Jubel rufe ich zum Herrn und werde sicher sein vor meinen Feinden.

Dann nimmt er den Kelch mit der rechten Hand, bekreuzigt sich mit ihm und spricht: „Das Blut unseres Herrn Jesus Christus bewahre meine Seele zum ewigen Leben.

Dann hebt er den Kelch zum Mund, wobei er mit der linken Hand die Patene unter den Kelch hält, damit sie das kleinste Tröpfchen, das verschüttet werden könnte, auffangen kann. Er empfängt ehrfürchtig das Blut unseres Herrn zusammen mit den Teilchen der Hostie, die sich im Kelch befinden.

DIE KOMMUNION DER GLÄUBIGEN — Unser Herr ist auf dem Altar gegenwärtig. Er ist für uns alle gekommen.

Beim Letzten Abendmahl waren nur die zwölf Apostel da, um seinen heiligen Leib zu empfangen, aber nach seiner glorreichen Auferstehung und Himmelfahrt kann die ganze Menschheit alle Jahrhunderte hindurch teil an ihm gewinnen. So dürfen die Gläubigen, die im Stande der Gnade sind, sich dem Altar nahen. Der Tisch ist bereitet. Das unaussprechbare Geheimnis der Vereinigung des Menschen mit Gott wird sich ereignen. Keiner wird abgewiesen, denn alle sind gerufen: Männer, Frauen, Alte und Kinder; jeder muss im Herzen wissen, dass Demut und ein reines Herz der Schlüssel sind, die Pforten des Reiches Gottes zu öffnen.

Der Priester nimmt das Ciborium. Er nimmt eine Hostie in die Hand, zeigt sie den Gläubigen und spricht, als ob er sie einladen wolle:

Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt.“ Die Gläubigen sprechen das Gebet des Hauptmanns:

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehest unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, und meine Seele wird gesund.

Alle schlagen dabei dreimal an ihre Brust, wie der Priester tat, als er dieses Gebet für sich sprach.

Nun sind alle bereit, am heiligen Gastmahl teilzunehmen. Der Priester geht von einem zum andern, gibt jedem eine Hostie und spricht dabei die Worte des Grußes und des Segens:

Der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre deine Seele zum ewigen Leben.

Und als sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie fort“, mit diesen Worten endet im Evangelium die Erzählung vom Letzten Abendmahl. So ziehen sich auch die Gläubigen auf ihre Plätze zurück, und der Priester spricht noch Gebete, welche alle in ihren Herzen mitbeten können. Er sagt:

Was wir mit dem Munde empfangen haben, Herr, das lass uns auch mit reiner Seele aufnehmen, und aus dieser zeitlichen Gabe werde uns ewige Erquickung.

Dann reinigt der Priester den Kelch mit Wein und Wasser und dann seine Finger. Er neigt den Kelch mit beiden Händen und hält Daumen und Zeigefinger, die sich nicht mehr getrennt haben, seitdem sie die heilige Hostie berührten, darüber, während der Messdiener ein wenig Wein und Wasser über sie ausgießt. Er trinkt dann den Inhalt des Kelches, und er trennt die Finger jetzt voneinander und trocknet sie. Dann trocknet er seinen Mund und den Kelch mit dem Kelchtuch, legt es über den Kelch, darüber die Patene und darüber die Palla. Er faltet das Corporale zusammen und legt es in die Burse. Er stellt alles zurück mitten auf den Altar, wie es zu Anfang der Messe war.

Der Messdiener holt unterdessen das Buch von der linken Seite des Altars und stellt es wieder auf die rechte Seite, wo es zu Beginn der Messe war.

Der Priester geht zu dem Buch hin und liest die Gebete des Tages.

Die Messe ist jetzt fast vorüber. Von der Mitte des Altars grüßt der Priester die Gläubigen: „Dominus vobiscum.“ Er fügt hinzu: „Ite, missa est. — Geht, die Messe ist zu Ende.“ Der Priester bleibt noch in der Mitte des Altars stehen, und alle können sich mit seinem stillen Gebet vereinigen, seinem letzten Gruß an die heilige Dreifaltigkeit.

Heiliger, dreieiniger Gott, nimm die Huldigung deines Volkes wohlgefällig an. Lass das Opfer, das ich Unwürdiger vor den Augen deiner Majestät dargebracht habe, dir wohlgefällig sein, und gib, dass es mir und allen, für die ich es dargebracht habe, durch dein Erbarmen zur Versöhnung gereiche. Durch Christus unsern Herrn. Amen.

Dann wendet er sich nochmal zu den Gläubigen, und er segnet sie mit dem Zeichen des Kreuzes:

Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Alle machen feierlich das Zeichen des Kreuzes, so wie zum Beginn der Messe, aber noch geht der Priester nicht fort und auch die Gläubigen nicht. Sie warten noch, um zusammen noch mehr von Jesus zu hören.

Der Priester geht zur Linken des Altars, wo er schon vorher aus dem Evangelium gelesen hat. Das Buch ist nicht mehr da, aber es steht eine Tafel da mit dem Anfang des Evangeliums, das Johannes geschrieben hat. Alle Leute stehen auf und hören auf die Worte dieses Heiligen, der Jesus so lange gekannt hat und der ihn so sehr liebte.

„Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und Gott war das Wort,
durch ihn ist alles geworden.
In ihm war das Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis,
aber die Finsternis hat es nicht begriffen.
Er kam in sein Eigentum,
doch die Seinigen nahmen ihn nicht auf.
Aber allen, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“

Die Gläubigen antworten: „Dank sei Gott.


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